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Einen kleinen, aber doch nicht zu übersehenden Posten bilden die
Abdeckerleder oder gefallenen Häute, d. h. die Häute von gefallenen
Tieren. Durch dieses Hautmaterial kam der mittelalterliche Gerber in
Berührung mit dem Schinder, aber Unehrlichkeitsfolgen ergaben sich
dennoch nicht aus der Verarbeitung derartiger Häute, wenn dieselben,
was meist geschah, korporativ von der Zunft gekauft wurden. So hatte
z. B. in Würzburg 1580 Z der jüngste Meister derartige Häute zu
besichtigen, dem Handwerk anzuzeigen, im Namen des Handwerks den
Kauf abzuschließen und sie dann an die Meister möglichst gleichmäßig
zu verteilen. Ich habe bereits oben bei den Pferden darauf hingewiesen,
wie die geschlossenen Territorialwirtschaften des ausgehenden Mittel
alters sogar eine gewisse Organisation für den Konsum der gefallenen
Häute eingeführt hatten. Natürlich stammen gefallene Häute fast aus
schließlich von alten oder krankhaften Tieren; es war deshalb meist
auch die Haut irgendwie alteriert, und infolgedessen ist auch das daraus
hergestellte Leder oft nicht einwandfrei. So erklärt es sich, daß die
Verwendung solcher Häute für besondere Fälle sich als unzweckmäßig
erweisen mußte, und damit wird es verständlich, daß die hauptsächlich
auf Export produzierenden Länder schon des Mittelalters im Interesse
des guten Rufes ihrer Ware das Abdeckerleder als minderwertig und
für solche Exportwaren als unzulässig erklärten. Als Beispiel sei hier
angeführt eine Verordnung, welche zu Toledo durch die katholischen
Könige am 17. Juni 1502 den Guadamacileros gegeben wurde, laut
welcher die Felle für lederne Tapeten nur von getöteten und nicht von
gefallenen Tieren stammen sollten 2 ).
Damit sind die wesentlichsten Gesichtspunkte besprochen, nach welchen
eine Klassifizierung der Häute und Felle stattfindet, und wir haben nun
mehr die hier einschlägigen Hautmaterialien kennen gelernt. Schon aus
dieser einleitenden Betrachtung haben wir gesehen, wie von je und auf
den niedrigsten Kulturstufen dieses Material den Menschen sich zur
Verfügung stellte, indem es gewissermaßen als trennende Schranke
zwischen seinen Bedarf und feine Bedarfsdeckung von Natur aus ein
geschoben ward. Denn von Natur als Schutzorgan der Tiere aus
gebildet, muß diese natürliche Panzerung jedesmal erst verletzt und
beseitigt werden, ehe die in ihr geborgenen Nahrungsstoffe zur Ver
fügung stehen; damit führt die Jagd sowohl wie auch das Zerlegen
der Tiere zu einer genauen Kenntnis des Hautmaterials, zu einer
Kenntnis auch seiner dickeren und dünneren Stellen, und so wird es
verständlich, daß wir schon bei primitiven Völkern eine Auswahl nicht
nur nach Tiergattung, nach Alter und Geschlecht, sondern auch nach
einzelnenTeilender Haut beobachten. Die Eskimos verfertigten aus
2 ) Davillier 1878, S. 22.
‘) Würzburg 1580, S. 490.