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d. h. nicht direkt von der Schlachtung in die Werkstatt des Gerbers;
da also die Hautmaterialien für den Handel sowohl wie auch natürlich
für die Gerberei immer weniger in frischer grüner Form vorliegen,
und weil trotz der ersten Veränderungen der Haut dieselbe immer noch
als Rohware des Handels gilt, sollen mit Rücksicht auf das wirtschaft
liche System, welches unserer Gliederung zugrunde liegt, diese ersten
Prozesse an dieser Stelle Berücksichtigung finden.
Technisch wichtig, weil es unter Umständen besondere Vorarbeiten
in den Gerbereien nötig macht, und wirtschaftlich wichtig, weil es den
Übergang der Gerberei in die moderne Weltwirtschaft erst richtig er
möglichte, ist nämlich die Konservierung der Häute und Felle; denn
nur dadurch, daß die anfallenden Häute nicht gleich grün verarbeitet
werden müssen, wird der Häutegroßhandel ermöglicht, welcher regulierend
zwischen die Gefälle der Schlächtereien und die Nachfrage der Gerbereien
tritt, dadurch auch wird der Eintritt der ursprünglich örtlich ziemlich
beschränkten Produktionstätigkeit der Gerberei in die moderne Verkehrs
wirtschaft ermöglicht, welche in den Händen des Großhandels Angebot
und Nachfrage ganzer Länder ausgleichend organisiert, und welche die
Bedarfsdeckung aus den fernen Häntemärkten an den Peripherien des
Weltmarktes ermöglicht. Indem aber so große Mengen tierischer Stoffe
aus den extensiv bewirtschafteten Territorien mit einfachster Lebens
haltung ihrer verhältnismäßig wenigen Einwohner in die dicht be
siedelten Kulturstaaten importiert werden, ergibt sich bei der Konser
vierung der Häute für ihren weiten Weg nicht nur die technische For
derung, Methoden ausfindig zu machen, welche das Häutematerial nicht
beschädigen, sondern es erwächst auch das weitere hygienische Problem,
etwa vorhandene Krankheitserreger nicht durch Verschleppung zu einer
Gefahr der Importländer zu gestalten; besonders für die Weißgerberei
ist dieses doppelte Problem in den Vordergrund getreten, und wir
werden sehen, daß man die technischen Forderungen gleichzeitig mit
den sanitären in der einzigen Operation der Konservierung zu erfüllen suchte.
Die einfachste, weil mit den primitivsten Mitteln ausführbar, und
primitivste Form der Konservierung ist die Wasserentziehung durch
Trocknung. Besonders leicht an kleinen Fellen ausführbar, haben wir
offenbar getrocknete Felle vor uns in den „dürren" Ledern der Magde
burger Weißgerber des 17. Jahrhunderts x ), die Pariser Weißgerber
bezogen ihre Felle aus den Provinzen in trockenem Zustandes, die
Felle für die Fabrikation der Corduans auf der Insel Cypern wurden
von Frankreich in trockenem Zustande * 3 ) exportiert, und auch heute noch
ist die Lufttrocknung das übliche Konservierungsmittel für das ein-
') Magdeburg 1686. -) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 107.
3 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 94.