Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

51 
lichen System zu verarbeiten suchen, gehört der Alaun zu derjenigen 
der drei Klassen von Mineralien, welche im Laufe eines Jahres oder 
darunter reifen *). Daraus darf Wohl der Schluß gezogen werden, daß 
die Bildung des Alauns beobachtet worden ist, d. h., daß er zu den 
künstlichen Produkten gehört; denn wäre der Alaun nur nach einem 
natürlichen Vorkommen bekannt, dann würde er zu einer der beiden 
anderen Klassen von Mineralien gehören, welche zu ihrer Bildung Jahre 
und Jahrhunderte nötig haben. Es wird uns weiter berichtet, daß er 
nur in einem herben, schmutzfarbenen Staube entstehe 2 ), und wir werden 
nicht irre gehen, aus dieser Bemerkung den Schluß zu ziehen, daß der 
graue Alaunschiefer unter dem schmutzfarbenen Staube gemeint sei, und 
der herbe Geschmack dieses Schiefers mag der leitende Wegweiser bei 
der Durchsuchung des Bodens nach alaungebendeu Gesteinen gewesen 
sein. Unzweifelhaft aber wird die Bekanntschaft mit der künstlichen 
Herstellung des Alauns bewiesen aus den allgemeinen theoretischen An 
schauungen jener Zeit über die Entstehung der Stoffes. Alle Stoffe 
entstehen aus den vier aristotelischen Elementen; aber während zur 
Bildung der Metalle gewissermaßen als intermediäre Phasen Queck 
silber und Schwefel auftreten, entstehen die künstlichen Körper aus 
Staub und Wasser direkt H. Von Alaun und Kupfervitriol wird nun 
ausdrücklich angegeben, daß dies alles seien „Feuchtigkeit und Wasser, 
die mit Erden aus den Landstrichen vermischt sind, welche die Feuers 
und Sonnen- oder Grubenhitze gebrannt hat". Wir müssen daraus 
den Schluß ziehen, daß der Alaun dieser Epoche bereits zu den künst 
lichen Produkten zu rechnen ist. Weiter spricht Geber von einem Eis 
alaun, welcher aus Rocha — fraglich ob identisch mit Edessa^) — 
komme o), und so dürfte Beckmanns Ansicht, nach welcher die Zeit der 
.Erfindung des künstlichen Alauns vor dem 13. Jahrhundert liegt'), 
ziemlich stark nachdatiert sein. Dieser künstliche Alaun mag dann, da 
er von noch stärkerem adstringierendem Geschmack und von noch wert 
volleren Eigenschaften als die hellsten Sorten des alten nlumons sich 
erwies, jene unreinen Gemenge allmählich verdrängt haben. Leider 
ist mir bis jetzt keine Kunde über dieses gewiß interessante und Auf 
sehen erregende Eindringen dieses neuen künstlichen Stoffes in das 
Gewerbe jener Zeit, über welches ja an und für sich die Nachrichten 
nur äußerst spärlich fließen, bekannt geworden. 
y Dieterici 1876, S. 98. Dieterici 1876, S. 111. 
3 ) Dieterici 1876, S. 115. 
4 ) Dieterici 1876, S. 130; Heyd 1879, Bd. I, S. 430. 
°) Heyd 1879, Bd. II, S. 554; Beckmann 1784, Bd. II, S. 110; Kopp 1843, 
Bd. IV, S. 56 f. 
«1 Kopp 1843, Bd. IV, S. 56 ff. ') Beckmann 1784, Bd. II, S. 102. 
4*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.