Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

52

Die  Gewinnung  des  Alauns  mag  sich  seit  dem  ausgehenden  Altertum ­
  an  eben  jenen  Stätten  vollzogen  haben,  an  welchen  die  Alten  ihre
sog.  Alaune  als  natürliches  Vorkommnis  gefunden  hatten,  und  die  Behauptung ­
  Bouchardats,  daß  der  Alaun  bis  zum  15.  Jahrhundert  ausschließlich ­
  in  Rocha  hergestellt  worden  seH),  ist  unrichtig;  denn  bereits
in  vorsaladinischer  Zeit^)  führten  die  Genuesen  ägyptischen  Alaun  aus
Alexandrien  aus,  und  im  12.  Jahrhundert  gehört  Alaun  ebenfalls  zu
den  Handelsprodukten  Ägyptens,  welche  durch  den  Handel  der  Romanen
nach  dem  Auslande  kamen 3 ).  Er  wurde  in  Oberägypten,  nach  Burkhard ­
  sechs  Tagereisen  von  der  Kaufmannsladt  von  Kairo  entfernt  in
den  Bergen  der  Wüste  und  in  Nubien  gewonnen.  Makrizi  erzählt,  daß
Saladin  in  Suez  ein  Fort  habe  bauen  lassen  zur  Sicherung  der  von
Said  (d.  h.  der  weiten  Provinz,  zu  welcher  Assuan,  Kus  usw.  gehörten)
herführenden  Straße,  auf  welcher  der  Alaun  in  das  Land  der  Franken
(das  fränkische  Syrien)  transportiert  zu  werden  pflegte.  Die  Gewinnung
des  Alauns  war  Regal,  und  nach  arabischen  Quellen  verkaufte  die  Regierung ­
  im  Jahre  1192  rund  13000  Kantar  oder  1,25  Millionen  kg
Alaun.  Ein  Neffe  Saladins,  Omar,  hatte  einen  genueser  Ruggerone
mit  der  Vertreibung  von  Alaun  im  Abendlande  betraut,  welcher  1175
von  den  mit  Genua  im  Kriege  befindlichen  Pisanern  gefangen  genommen
wurde;  über  die  Herkunft  der  Ware  unterrichtet,  nahmen  sie  den  Alaun
in  gesonderte  Verwahrung  und  haben  ebenfalls  der  an  sie  gerichteten
Reklamation  des  Sultans  und  seines  Neffen  statt  gegeben.  Auch  sonst
wird  der  oberägyptische  Alaun  als  Importartikel  für  Genua  bei  Schaube
in  zwei  Fällen  erwähnt.  Desgleichen  wird  hier  kastilianischen  Alauns
Erwähnung  getan  ch;  außerdem  sei  noch  angeführt,  daß  die  Alaunminen
auf  der  Insel  Jschia  schon  zur  Zeit  des  ersten  Herrschers  aus  dem
Hause  Anjou  ausgebeutet  wurden,  daß  im  genuesischen  Handel  1227
bereits  Alaun  von  Monte  Argentaro  vorkommt,  daß  seit  dem  13.  Jahrhundert ­
  über  Aleppo  Alaun  wahrscheinlich  aus  dem  Binnenlande  kam,
daß  eine  der  liparischen  Inseln,  Volcano,  schon  von  dieser  Zeit  an  sehr
häufig  als  Alaunquelle  genannt  wird,  daß  auch  Lesbos  unter  den
griechischen  Inseln,  Thracien,  Jemen  als  Alauuprovenienzen  genannt
werden,  daß  im  14.  Jahrhundert  nach  Flandern  Alaun  von  Mallorka,
von  Marokko  und  von  Algier  gelangte,  daß  die  Danziger  Beutler  im
15.  Jahrhundert  Alaun  aus  Rußland  bezogen  °),  und  schon  im  13.  Jahrhundert ­
  war  der  Alaun  aus  den  poutischen  Gebieten  ch,  insbesondere
h  Bouchardat  1845,  S.  325.
2 )  Schaube  1908,  S.  322.
3 )  Zu  dem  folgenden  siehe  Schaube  1906,  S.  165.
4 )  Heyd  1879,  Bd.  II,  S.  550,  554.
°)  Hirsch  1855,  S.  243,  Anm.  27.  °)  Heyd  1879,  Bd.  I,  S.  483.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.