Full text: Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

102 
Tarif würde die zur Berechnung kommende Fracht für diese Strecke 
(516 km) 3,22 Mk. pro 100 kg sein, also ungefähr 2 3 / i mal so viel. 
Nach Spezialtarif III, dem billigsten deutschen Tarif, wären da 
gegen 1,26 Mk. zu bezahlen. 
Für österreichisches Oel existierte ein billigerer Tarif (»Nord 
deutscher Güterverkehr mit Galizien und der Bukowina«) von den 
Oeldistrikten (Borislaw, Drohobycz u. a.) aus über die vier ober 
schlesischen Grenzstationen Myslowitz, Dzieditz, Oderberg und Os- 
wiecim. Nach diesem Tarif würde die Fracht von Boryslaw nach 
Leipzig 2,23 Mk. pro 100 kg betragen, während nach dem ge 
wöhnlichen Tarif allein die Beförderung auf der deutschen Strecke 
(542 km) 3,37 Mk. pro 100 kg kosten würde. Auf Betreiben 
des Vereins der österreichischen Petroleumraffinerien setzte dann 
die österreichische Regierung durch, dass ab I. Mai 1906 ein noch 
günstigerer Tarif (Ausnahmetarif 32 B) in Geltung tritt. Unter 
Berücksichtigung der Refaktie beträgt die Fracht von Boryslaw 
nach Leipzig jetzt nur noch 212 Pfg. für 100 kg. 
Auch für rumänisches Petroleum besteht ein Ausnahmetarif 
(»rumänisch-deutscher Eisenbahnverband. Verkehr mit Nord 
deutschland«). Die Fracht für die 1763 km lange Strecke von 
Bukarest nach Leipzig beträgt 672 Cts = etwa 5,41 Mk. pro 
100 kg. Da aber Rumänien meist auf dem Seewege von Braila 
oder Constanza aus über Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam, Ham 
burg nach Deutschland exportiert, so kommt dieser Tarif selten 
in Anwendung. Ueber Regensburg gehen infolge der schlechteren 
Schiffahrtsverhältnisse und der um vieles längeren Fahrtdauer nur 
geringere Mengen. 
Das Bestreben der von Rumänien importierenden Firmen geht 
nun dahin, auch für diese Länder den Russland eingeräumten 
billigeren Frachtsatz zu erhalten. Dieses Streben ist erklärlich. 
Denn dann würden sie ihre Angriffsbasis weiter gegen Mittel 
deutschland vorschieben und auch dort mit dem amerikanischen 
Oel in erfolgreichere Konkurrenz treten können. 
Dass Frachtvorteile der geschilderten Art die Konkurrenz 
fähigkeit günstig beeinflussen, ist nicht zu verkennen. Ihnen ist 
es auch zuzuschreiben, dass z. B. galizisches Oel überhaupt nach 
Mitteldeutschland geliefert werden kann. Man darf aber nicht 
glauben, dass sie gross genug sind, der D.-A. P. G. ernstlich 
Schaden zuzufügen. Denn diese Tarife gelten nur für Wagen 
ladungen ab Grenzstationen ; nach Umladung, im internen deut-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.