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weniger. Dazu kämen an Zinsen
(3 X 135000 Mk.) 405000 Mk.
sodass ein Verlust von ca. 470 000 Mk. herauskäme. Und solche
Möglichkeiten können immer eintreten.
Endlich beruht eine wichtige Voraussetzung von Brackel-Leis
auf schwacher Grundlage: die Möglichkeit, sich genügend »trust
freies« Petroleum zu verschaffen. Der Trust selbst und seine
Verbündeten würden Oel in grösseren Mengen einfach nicht ab
geben; auch an den Staat nicht, falls Grund zu der Annahme
vorläge, dass er es weiter verkaufte. Die Pure Oil Co. hat nicht
Oel genug. Die Russen und die P. P. A.-G., die ihr Geschäfts-
gebahren genau nach den von der D.-A. P.-G. aufgestellten und
befolgten Prinzipien eingerichtet haben, würden jedenfalls ebenso
handeln wie der Standard, da sie sich mit ihrem eigenen Oel
keine Konkurrenz machen dürfen. Auf Galizien und Rumänien
kann man nicht rechnen.
Ist also dem deutschen Händler und auch dem Staat
die Möglichkeit zur Einlagerung genügend grosser Mengen für
eigene Rechnung verschlossen, so fallen damit sämtliche Folge
rungen von Brackel-Leis und Wolff zusammen, vornehmlich auch
die »günstige Einwirkung auf die Preisgestaltung«.
b) Gründe, warum die Preise niedrig sein müssen.
Vorstehende Erörterungen könnten die Befürchtung entstehen
lassen, gegen den Trust sei überhaupt kein Kraut mehr gewachsen,
und Deutschland sei den Aussaugungsgelüsten dieses »Vampyrs«
schutzlos preisgegeben. Diese Befürchtung hat oft lauten Wieder
hall erweckt. Sie veranlasste Interpellationen im Reichstag und
Dutzende von Protestresolutionen von Handelskammern und an
deren kaufmännischen Verbänden. Man ruft nach Staatshilfe, man
gerät ausser sich vor Entrüstung über die »Aussaugung des deut
schen Volkes durch eine herz- und gewissenlose Kapitalisten
gruppe«. Gewiss, Kapital ist gefühllos, oft grausam — aber es
ist auch ein klarer, kalter Rechner. Und seine kalte Berechnung
hat es dahin geführt, das deutsche Volk nicht auszusaugen:
Dies soll im Folgenden gezeigt werden.
I. Im Petroleumhandel selbst liegende Gründe.
Die Möglichkeit einer absoluten Herrschaft über die Preis
gestaltung setzt voraus, dass der preisbestimmende Faktor tat
sächlich die Macht besitzt, die Preise autokratisch zu bestimmen,