Object: Nationalökonomie (Teil 1)

2217 
ein besonderes Vertrauen bei seinen Kunden besitzt, kann aus dem 
gleichen Grunde einen höheren Aufschlag machen, als die benachbarten 
Geschäfte. Die Wertschätzung seiner Ware erweist sich bei den 
Kunden höher als derjenigen seiner Konkurrenten. 
Bei der hohen Bedeutung, welche man eine lange Zeit der Marx- 
schen Werttheorie beilegte, müssen wir auf diese noch besonders ein- 
gehen. 
Karl Marx geht davon aus, daß, wenn im volkswirtschaftlichen 
Tauschverkehre zwei Gegenstände dem Werte nach gleich geschätzt 
werden, notwendig eine gemeinsame Grundlage vorhanden sein müsse. 
Die Nutzbarkeit des Gegenstandes erweise sich nun nicht als gleichartig, 
da das subjektive Ermessen der Schätzenden ausserordentlich verschieden 
sei, und wir haben diese Ungleichartigkeit ausdrücklich anerkannt und 
darzulegen gesucht. Marx nimmt als die überall gemeinsame Grund- 
Jage, sich an Ricardo anlehnend, das Quantum notwendiger Arbeitszeit 
an, welches die Herstellung der Ware unter den vorhandenen, gesell- 
schaftlich normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen 
Grade von Geschick und Intensität der Arbeit erfordert. Er meint 
damit einen objektiven festen Maßstab gewonnen zu haben. Das ist 
indessen durchaus nicht zuzugeben. Hr selbst erkennt an, daß zwischen 
Arbeit und Arbeit ein sehr bedeutender Unterschied ist, er hilft sich 
über die Schwierigkeit dadurch hinfort, daß er qualifizierte Arbeit eines 
Künstlers auf einfache Arbeit reduzieren will, wodurch er dem subjek- 
tiven Ermessen des Schätzenden wiederum verfallen ist. Um die zur 
Herstellung einer Statue, eines Romans, eines wissenschaftlichen Werkes 
notwendige gesellschaftliche Arbeitszeit festzustellen, fehlt ein jeder An- 
halt, ebenso wie zur Herstellung einer neuerfundenen Maschine, eines 
neuen Färbemittels etc. Nur wenn man die Bedeutung der Leistung 
des Unternehmers, eines Ingenieurs ignoriert, wie es von Marx geschieht, 
oder sie ausdrücklich als unproduktiv bezeichnet, wie Rodbertus, kann 
man die einfache physische Arbeit als Maßstab acceptieren, Die 
ganze Grundlage der Marxschen Ausführung, daß notwendig zur Ver- 
gleichung ein objektiv gleicher Maßstab zur Wertschätzung vorhanden 
sein müsse, ist durchaus nicht anzuerkennen, sondern es liegt in der 
Eigentümlichkeit der Wertschätzung, daß das subjektive Moment eine 
ebenso große Rolle spielt, wie das objektive in den Eigenschaften des 
geschätzten Gegenstandes. Da Marx anerkennen muß, daß seine 
Werttheorie die thatsächlichen Vorgänge der Wertschätzung nicht zu 
erklären vermag, sondern mit ihnen überall in Widerspruch gerät, so 
hilft er sich mit der Konstruierung eines Gegensatzes zwischen Preis 
und Wert, und behauptet, daß in jenen Fällen, wo das Seltenheits- 
moment eine Rolle spielt, und dadurch thatsächlich die Schätzung eine 
weit höhere ist, als der aufgewendeten Arbeit entspricht, nur der Preis 
gesteigert sei, nicht aber der Wert. Mit anderen Worten, er stellt & 
priori einen wirtschaftlichen Begriff des Wertes auf und sucht die that- 
sächlichen Vorgänge mit Gewalt diesem Begriffe anzupassen. Er deutet 
sie willkürlich seiner vorgefaßten Meinung zu liebe, während es allein 
die Aufgabe der Wissenschaft ist, die Thatsachen zu erklären und auf 
Grund derselben die Beegriffsdefinitionen aufzustellen. 
Marx. 
NYonrad, Grundrifs der nolit. Oekonomie. I. Teil. 4. Aufl
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.