Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

9

Destillation  und  Raffination  war  häufig  ungenügend,  jedenfalls
nicht  gleichmässig  genug:  kurz,  es  herrschte  vollständige  Anarchie.
Die  Verhältnisse  konnten  nur  gesunden,  wenn  die  teils  schädlichen,
teils  überflüssigen  Elemente  eliminiert,  die  Auswüchse  beseitigt
wurden,  kurz,  wenn  alles  von  Grund  aus  auf  eine  solide  Basis
gestellt  wurde.  Dieses  Ziel  Hess  sich  aber  nur  durch  weitgehende
Zentralisation  erreichen.  Durch  sie  konnte  man  an  Unkosten
sparen,  diese  auf  den  inneren  Aufbau  des  Geschäfts,  mehr  noch
aber  auf  bessere  Bearbeitung  der  Ware  verwenden  und  dieser
dadurch  einen  grösseren  Markt  gewinnen.
Auf  dieser  Basis  operierte  der  Trust.  Binnen  kurzem  gelang
es  ihm,  die'  zerfahrenen  Verhältnisse  zu  ordnen.  Waren  die  Mittel,
die  er  ergriff,  bisweilen  auch  nicht  einwandfrei  (Bestechungen!),
so  waren  andere,  wie  die  Stilllegung  der  kleinen  Raffinerien,
direkt  notwendig,  und  das  Geschrei,  das  sich  ihretwegen  erhoben
hat,  ist  nicht  berechtigt.
Vor  allem  brachte  der  Trust  Beständigkeit  sowohl  in  die
Produktion  wie  in  die  Preisgestaltung:  er  verpflichtete  sich  nämlich, ­
  stets  jedes  ihm  angebotene  Quantum  zum  »offiziellen  Preise«
abzunehmen.
Dieser  »offizielle  Preis«  richtete  sich  nach  den  allgemeinen
Absatzverhältnissen.  Selbst  die  Gegner  des  Trusts  haben  zugeben
müssen,  dass  er  die  Einkaufspreise  nicht  möglichst  niedrig  hielt,
sondern  eher  hoch,  um  die  Fördertätigkeit  anzuspornen.  Der
Trust  soll  dabei  in  der  Weise  verfahren,  dass  er  von  dem  Marktpreis ­
  für  raffiniertes  Oel,  den  er  nach  sorgfältigster  Berechnung
festsetzt,  eine  bestimmte  Quote,  nach  Brackel-Leis  (S.  103)  62 1 /2%,
absetzt  und  den  Rest  für  das  Rohöl  an  die  Produzenten  zahlt.
Diese  sind  auch,  weil  sie  die  Gerechtigkeit  dieses  Verfahrens
anerkennen,  damit  zufrieden.  Mit  der  Eigenproduktion  scheint
sich  der  Trust,  trotzdem  er  in  den  letzten  Jahren  ausgedehnte
ölführende  Terrains  in  seine  Hand  gebracht  hat,  deshalb  nicht
zu  befassen,  weil  ihm  das  spekulative  und  immerhin  riskante
Element  der  Bohrtätigkeit  nicht  zusagt.  Selbst  die  grösseren
Produzenten  schweben  jetzt  bei  Erbohrung  eines  ergiebigen
wells  nicht  mehr  in  der  Gefahr,  wegen  Mangels  an  Reservoiren ­
  und  Behältern  das  Oel  einfach  in  den  Sand  laufen
lassen  zu  müssen,  sie  haben  keine  Ausgaben  für  Cisternenwagen
und  dergl.  mehr.  Jedes  beliebige  kleinste  Quantum  wird  glatt
aufgenommen,  ein  Umstand,  der  für  die  kleineren  Grubenbesitzer
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.