Full text : Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft

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mische  Wissen  Schaft  ausgeben  darf;  er  muß  sich  ferner
klar  sein  über  die  Gefahren,  die  er  für  sein  wissenschaftliches ­
  Erkenntnisstreben  dadurch  heraufbeschwört,  daß  er
seine  Gedankenarbeit  unmittelbar  in  den  Dienst  wirtschaftspolitischer ­
  Dogmen  stellt.  Nur  dann,  wenn  man
die  Gefahren  kennt,  kann  man  sie  vermeiden.
Von  selbst  ergibt  sich  aus  dem  Gesagten,  wie  es  der
sozialökonomische  Gelehrte  mit  der  parteipolitischen  Betätigung ­
  zu  halten  hat.  Wenn  ich  nicht  irre,  war  es
E.  Gothein,  der  im  Kolleg  einmal  meinte,  daß  der  Sozial-Ökonom,
  der  zugleich  als  Partei-Politiker  wirke,  in  aller  Regel
entweder  ein  schlechter  Gelehrter  oder  ein  schlechter  Politiker ­
  sei.  Ich  selbst  habe  schon  vor  Jahr  und  Tag
gegenüber  Angriffen  einer  parteipolitischen  Zeitung  es
für  der  Mühe  wert  gehalten,  auf  Grund  des  §  11  des
Preßgesetzes  erklären  zu  lassen,  daß  ich  mich  grundsätzlich ­
  im  Interesse  der  Unbefangenheit  meiner  wissenschaftlichen ­
  Untersuchungen  stets  von  allen  parteipolitischen
Bestrebungen  fern  gehalten  habe  und  fern  halten  werde.
Mein  grundsätzlicher  Standpunkt  schützte  mich  freilich  nicht  davor,
daß  ich  —  leider  auch  von  Vertretern  der  Wissenschaft  —  zum  Teil
aus  psychologisch  erklärlichen  Bequemlichkeitsgründen  bald  dieser,  bald
jener  Partei  zugezählt  wurde:  „sozialistisch  angehaucht“,  „extrem  individalistisch“,
  „ultramontan“,  „radikal  freihändlerisch“,  das  sind  so  einige
parteipolitische  epitheta  ornantia,  mit  denen  ich  in  der  öffentlichen  Diskussion ­
  bedacht  wurde.  Ähnliche  Erfahrungen  wird  jeder  Fachgenosse
gemacht  haben,  der  an  Tagesfragen  mit  wissenschaftlichem  Rüstzeug
heranzutreten  versuchte.
Sicher  ist  jedenfalls,  daß  Wirtschaftswissenschaft  und
schließlich  auch  Tages-Politik  nur  gewinnen  werden,  wenn
sie  nicht  nur  theoretisch,  sondern  auch  praktisch  getrennt
ihren  Weg  gehen.  Das  dadurch  von  den  Theoretikern  verlangte ­
  Opfer  scheint  gerade  in  der  Gegenwart  nicht  besonders ­
  schwer  zu  sein.
Weber,  Volkswirtschaftslehre  als  Wissenschaft.  5
            
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