Geldwert in der Geschichte.
19
Levasseur hat die Methode durch systematische Beschränkung
auf einzelne Märkte noch zu retten versucht'). Der zweite klassische
Wertmesser, der Arbeitslohn, ist noch neuerdings von
Lamprecht behauptet und verteidigt worden 1 2 ). Aber da gibt,
wenn ich recht sehe, nicht mehr die alte SMiTHsche Begründung 3 )
den Ausschlag, vielmehr die Tatsache, daß in dem Arbeitslohn
zugleich das Budget der Arbeiterfamilie gegeben ist. Auch die
Bedeutung, die man den Getreidepreisen als Wertmesser zuschrieb,
beruhte doch eigentlich auf dem Gedanken, daß das
Getreide als der wichtigste Konsumtionsartikel immer dieselbe
Bedeutung in dem einzelnen Budget habe, also sein Preis den
Gesamtziffern der Haushaltungsausgaben parallel gehe. Darin
liegt in der Tat ein nicht zu unterschätzendes Wahrheitsmoment.
Aber die eigentliche Fruchtbarkeit der Budgetmethode hat noch
nicht recht frei werden können. Der Grund wird vielleicht darin
gesucht werden müssen, daß man sich (wie wir gleichzeitig in
anderen Wissenschaften beobachten) nur schwer den zunächst
scheinbar zersetzenden Subjektivierungen fügte, vielmehr möglichst
lange noch an den objektiven Kategorien der Preisgeschichte,
den festen Grundlagen ihres Quantitativ-Realen sich hielt. Daher
kam man zwar, einerseits von den historischen Getreidepreistabellen,
andrerseits von den modernen Indexziffern für
Waren des Großhandels her, auf die Forderung möglichst allsei
t i g e r Registrierung des „prix de la vie“ 4 5 ), der „Gegenstände
des menschlichen Bedarfs“ 6 ); aber das Gewicht lag und liegt
meistens noch völlig auf den objektiv und quantitativ faßbaren
»Gegenständen“ und „Preisen“, nicht auf der so bedenklich subjektiven
Apposition: „Lebenshaltung“, „menschlicher Bedarf“.
1) E. Levasseur, Une methode pour mesurer la valeur de l’argent,
Journal des Economistes 1856, S. 228 ff. Später hat er gegenüber den umfassenderen
Feststellungen d’Avenels seine Resultate zurückgenommen,
Levasseur, Rapport, S. 359, 361.
2) Deutsches Wirtschaftsleben.
3) „Labour is the measure of value“.
4) So schon 1841 Leber, Memoires, S. 270; ähnlich dann Soetbeek,
Materialien, S. XI, 87 ff.; Lehr S. 70, u. a.
5) Luschin, Münzgeschichte, 184, 187.