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günstigste Verhältnis auf. Wie steht es nun aber mit den beträchtlichen
Obligationengeldern, die unsere Handels- und Gewerbebanken aufnehmen ?
Hier sind diese Gelder in erster Linie berufen, der Bank für ihre nicht
kurzfristigen Engagements einen festen Stützpunkt zu bieten. Es hängt
also sehr von der Natur der Geschäfte beim einzelnen Institut ab, ob für
die Obligationengelder genügende Sicherheit besteht, und ob die Bank im
Ealle einer Beunruhigung liquid genug ist, die fälligen Obligationen ein
zulösen. Eür die einzelnen Institute erwächst bei der intensiven Pflege
des Obligationengeschäftes die ernste Pflicht, nicht zu viel kündbare Obli
gationen auflaufen zu lassen. Hierin sind die Bankberichte im allgemeinen
noch einer grossen Verbesserung fähig. Viele, ja die meisten geben in bezug
auf die Verzinsung des Obligationenkapitals die nötige Auskunft; was aber
nur ganz vereinzelt zu finden ist, das ist eine Gruppierung der Obligationen
nach ihrer Verfallzeit.
B. Die Aktivgeschäfte.
1. Das Wechseldiskontgeschäft,
Im allgemeinen ist der Diskontkredit dem Kleingewerbetreibenden
und Kleinhändler zugänglicher als der Kontokorrentkredit. Dies deshalb,
weil er die Mittel der Bank weniger andauernd in Anspruch nimmt und
ausserdem leichter realisierbar ist.
Das Verhalten, das die in unserer Gruppe zusammengefassten Banken
dem Wechselgeschäft gegenüber einnehmen, ist ein sehr verschiedenes. Die
Institute mit Sparkassen- und Hypothekenbankcharakter vernachlässigen
diesen Geschäftszweig in der Regel. Auch Institute, die heute eine bedeu
tende Stellung einnehmen und deren Diskontgeschäft sehr achtunggebietend
ist, sind erst im Laufe ihrer Entwicklung zur Anhandnahme des Wechsel
diskontgeschäftes gekommen. So legte die Handwerkerbank Basel erst
spät ein Portefeuille an, um für Rückzüge gerüstet zu sein. Erst 1890
beschloss die Bank die Einführung des eigentlichen Wechselgeschäftes,
bestehend im Inkasso und der Diskontierung von Wechseln auf das In-
und Ausland und der Abgabe von Wechseln. Der Beweggrund war vor allem
der, sich die erworbene Kundschaft aus dem Handelsstande zu erhalten.
Und ebenso führte erst 1871 die Creditanstalt St. Gallen das Wechsel
diskontgeschäft ein.