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Erwin Respondek,
„Hier treiben alle schädlichen Kräfte zum Kriege, den man führen
will zur Erfüllung eines krankhaften Ehrgeizes und weil die Bör
sen London und Paris auf Petersburg spekuliert
habe n" 1 ).
Endlich wurde die Spannung gelöst: der europäische Krieg war
gesichert.
Bei der Verkündung des Sieges der Kriegspartei löste sich schließ
lich die Spannung in einem allgemeinen Kurssturze auf. Angstverkäufe
der kleinen Börsenspekulanten, die durch den Verkauf ihrer Wertpapiere
ihre Zahlungsbereitschaft oder Kassenbestände auf jeden Fall erhöhen
wollen, Zwangsverkäufe derjenigen, die mit geliehenen Kapitalien ar
beiten und denen jetzt einerseits die emporgestiegenen Geldsätze und
dann die gewaltig gefallenen Kurse die Durchhaltung ihrer spekulativen
Engagements unmöglich machten und schließlich die Baisse-Attacken
der berufsmäßigen Spekulation, warfen Riesenbeträge auf den Markt.
Die Kurse mußten unhaltbar fallen. Die Emissionshäuser konnten wegen
ihrer ungenügenden Liquidität gegenüber den Forderungen ihrer De-
positen-Gläubiger keine systematischen Stützungskäufe vornehmen.
Sie hätten sich aber auch bei den gewaltigen Beträgen, die auf den
Markt geworfen wurden als vollkommen unzureichend und wirkungs
los erwiesen. Denn die Erschütterungen auf dem Markte der Staats
papiere und guter inländischer Effekten waren schon sehr erheblich. Rein
spekulative Werte unterlagen natürlich dem schärfsten Rückgänge. Um
weitere Erschütterungen zu verhindern, wurde die Börsentätigkeit am
29. Juli suspendiert.
Für diese bewegte Periode bietet der Kurszettel von der Pariser
Börse die beste zahlenmäßige Anschauung. Einige wichtige Anleihe-
und Aktien-Papiere mögen in ihrer Kursbewertung hervorgehoben
werden und zwar an einzelnen Terminen, die für den Gang der Ereig
nisse gleichsam hervorstehend waren. Dies dürften aus dem Jahre
1912 der Tag der Kriegseröffnung am Balkan, der 11. Oktober sein.
Weiterhin der 31. Dezember 1913 als Jahrestermin, der 25. Juli 1914
als letzter Termin der Ultimonotierungen und schließlich der 28. Juli,
der Tag der ersten Kriegserklärung Österreich-Ungarns gegen Serbien
und zugleich der letzte Börsentag (s. S. 89)'
Am 3. August 1914 entschlossen sich die Börsenbesucher, die Ge
schäfte wieder aufzunehmen. Jedoch sollte allen spekulativen Aus
schreitungen entgegengetreten werden, indem man bestimmte, daß nur
Abschlüsse in Kassageschäften gestattet seien. Die Ultimooperationen
bleiben für die ganze Dauer des Krieges geschlossen. Aber nur langsam
entwickelte sich das Börsengeschäft. Am 3. August wurden 12 Werte
kotiert, darunter auch die 3% % Rente, sowie die 3 % ewige Rente,
sonst zum großen Teil Eisenbahn-Obligationen. In den nächsten Tagen
x ) Aus einem Schreiben von Jaures an Vandervelde nach Belgien zwei
Tage vor seiner Ermordung. Siehe Reichstags-Stenogramm: 40. Sitzung, 6. April 1916,
S. 89g (Zitat in der Rede von Scheideinan n).