Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

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A

„Erster  Artikel:  Die  Effekten-Börse  ist  und  wird  bis  auf  weiteres
geschlossen.
Zweiter  Artikel:  Der  Polizeikommissar,  nahe  am  Börsengebäude,
der  Direktor  der  Stadtpolizei  und  die  ihnen  untergeordneten  Beamten
haben  die  Pflicht,  jeden,  den  diese  Verordnung  angeht,  zu  ihrer  Beobachtung ­
  anzuhalten“. 1 )
Ais  das  Waffenglück  der  Republik  sich  Wandte,  die  Deutschen
einen  eiligen  Rückzug  nach  der  abgebrochenen  Schlacht  an  der  Marne
antreten  mußten,  erhoben  sich  in  den  Börsenkreisen  eine  Anzahl  von
Stimmen,  die  für  eine  Wiedereröffnung  der  Pariser  Börse  eintraten.
Diese  Forderung  war  ganz  mit  Recht  gestellt  worden  und  folgte  aus
schädlichen  Mißständen,  die  sich  an  das  unter  der  Hand  Kaufen  und
Verkaufen  knüpften.  Täglich  fanden  sich  nach  der  Einstellung  der
offiziellen  Notierungen  in  den  Tageszeitungen  Anzeigen,  die  einen  Ankauf
Von  Wertpapieren  mit  einem  io—15  %  und  höheren  Abschlag  von  den
Kursen  der  letzten  Julitage  effektuieren  wollten.  Die  großen  Schäden,
die  sich  für  den  Effektenbesitzer  durch  solche  Verkäufe  bei  den  Hinterbörsen ­
  ergeben,  liegen  auf  der  Hand.  Andererseits  zwingen  Börsenschluß ­
  und  Moratorium,  schlechter  Geschäftsgang  u.  ä.  zur  Realisation  von
Wertpapieren,  und  der  Effektenbesitzer  wird  auch  die  ungünstigsten  Angebote ­
  anzunehmen  sich  entschließen  müssen,  um  seine  Betriebskapitalien  zu
erneuern  oder  andere  Ausgaben  zu  bestreiten.  Schon  aus  diesen  Überlegungen ­
  wäre  eine  amtliche  Notierung  an  der  Pariser  Börse,  als  Zentralstelle ­
  für  das  ganze  Land,  von  großem  Interesse  für  Rentner  und  Kapitalisten. ­
  Aber  auch  für  das  Schatzamt  ist  eine  gleichmäßig  und  gut
arbeitende  Börse  in  Kriegszeiten  von  besonders  hohem  Vorteile  und
unumgänglicher  Notwendigkeit.  Dies  sprach  der  Finanzminister  selbst
aus,  wenn  er  in  einem  Schreiben  an  die  Presse  sagt:
„Das  Schatzamt  hat  unter  den  gegenwärtigen  Umständen  ein
Interesse,  die  Entlastung  der  Zeichner  zu  begünstigen,  indem  es  ihnen
die  Mittel  gibt,  ihfe  Zertifikate  zu  einem  Kurse  zu  handeln,  der  nicht
ungünstig  ist“ 2 ).
Die  Bemühungen  zur  Wiedereröffnung  der  Börse  in  Paris  waren
vergeblich.  Gegen  Paris  als  Börsenplatz  sprachen  viele  Momente,  die
die  günstigen  aufhoben.  Der  Feind  war  nicht  weit,  und  die  Regierung
hatte  ihren  Sitz  offiziell  von  Paris  nach  Bordeaux  verlegt,  die  Bank
von  Frankreich  und  die  Kreditbanken  sind  diesem  Beispiele  gefolgt.
Wollte  man  also  die  Börse  wieder  öffnen,  so  mußte  auch  die  Pariser  Börse
der  Auswanderung  nach  Bordeaux  folgen.  Von  Mitte  September  tagte
denn  die  Pariser  Börse  gleichfalls  in  Bordeaux.  Am  4.  Dezember  1914
wurde  sie  dort  geschlossen  und  nach  Paris  zurückverlegt.
Die  aus  Bordeaux  gemeldeten  Kurse  sind  gleichfalls  rein  nomineller
Natur.  Beide  Renten,  die  3  %  ew.  und  3y 2  %  amort.  Rente  wiesen
konstante  Kurse  auf.  Bordeaux  war  Provinzbörse  und  konnte  trotz
*)  L’Economiste  Franfais  1914,  No.  37,  S.  329.
")  L  Economiste  Franfais  1915,  S.  336.
            
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