Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

103

und  Pfandbriefobligationen  keinen  Augenblick.  Für  eine  derartige
konsequente  und  erfreuliche  Handlungsweise  dürften  die  Kunden  ihm
nur  Anerkennung  zollen  und  das  Verhalten  der  Bank  um  so  höher
veranschlagen,  als  die  Kreditinstitute,  wie  noch  auszuführen  sein  wird,
schon  vor  Ausbruch  des  Krieges  versagten.  Um  ihre  bankmäßige
Pflicht  auf  der  Passivseite  zu  erfüllen,  mußte  die  Hypothekenbank
die  aktiven  Geschäfte  erheblich  einschränken  und  zum  Teil  einstellen.
So  führte  der  Credit-Foncier  neue  Hypothekar-Beleihungsoperationen
nicht  mehr  durch  und  hielt  mit  den  Kreditgewährungen  anderer  Art
sehr  zurück.  Auch  in  der  Folgezeit  ruhten  die  geschäftlichen  Transaktionen ­
  fast  vollkommen  und  die  Leitung  des  Credit-Foncier  spricht
in  ihrem  Geschäftsbericht  für  das  Jahr  1915  offen  aus,  daß  die  Arbeit
im  Jahre  1914  noch  fast  normal,  im  verflossenen  Jahre  dagegen
annähernd  gelähmt  war.  Neue  Ausleihungen  wurden  gar  nicht  vorgenommen. ­
  Der  Crödit-Foncier  beschränkte  sich  vielmehr  darauf,  die
vor  Ausbruch  des  Krieges  in  Angriff  genommenen  Arbeiten  allmählich
zu  Ende  zu  führen.  Im  Jahre  1915  wurden  insgesamt  nur  22,6  Mill.  Frcs.
Hypothekar-Darlehen  gewährt,  während  sie  für  1914  noch  eine  Höhe
von  172  Mill.  Frcs.  erreichten;  die  Verringerung  beträgt  also  149,5  Mill.
Frcs.  Und  auch  diese  geringe  Summe,  die  im  Vergleich  zu  den  früheren
Jahren  verschwindet,  entspringt  nicht  etwa  wirklichen,  neuen  Hypotheken-Darlehen. ­
  Sie  stellt  die  Konsolidierung  von  Friedens-Krediteröffnungen ­
  dar,  nachdem  jetzt  die  Baulichkeiten  ihrer  Vollendung
zugeführt  wurden.  In  dieser  kleinen  Ziffer  kommt  die  geringe  Aktivität
des  ersten  französischen  Hypothekarinstituts  klar  zum  Ausdruck.
Dies  kann  im  Grunde  auch  wenig  überraschen.  Das  Bedürfnis  nach  neuen
Wohnungen,  größeren  Lagern  und  Läden  ist  höchst  bescheiden,  da  durch
die  Unsicherheit  der  Kriegsvorgänge,  die  teure  Lebenshaltung  und
Eingriffe  des  Krieges  in  das  Familienleben  alles  Streben  auf  Ersparnisse
gerichtet  ist.  Damit  fehlt  der  Bautätigkeit  jeglicher  Anreiz,  denn  der
Bauunternehmer  wird  schon  der  durch  die  Gesetzgebung  —  Miets-Moratorium
  —  geschaffenen  Lage  keinen  Reiz  abgewinnen  können.  So
muß  der  Realkredit  notwendig  in  den  Hintergrund  treten,  die  Bank
dadurch  zur  Passivität  gedrängt  werden.  Sie  sagt  es  selbst  recht  treffend;
„Für  den  Credit-Foncier,  dessen  Tätigkeit  durch  den  Krieg  nur  geschwächt
werden  konnte,  war  das  Jahr  1915  ein  Jahr  der  Erwartung“ 1 ).
Mit  der  Einschnürung  der  Darlehensgewährung  ist  auf  der  anderen
Seite  notwendig  der  Absatz  der  Hypothekenpfandbriefe  stark  beeinträchtigt. ­
  Die  umlaufenden  Obligationen  erreichten
am  31.  Dezember  1914  ....  4581,00  Mill.  Frcs.]
am  31.  Dezember  1915  ....  4649,00  „  „
d.  h.  eine  Zunahme  von  nur  68  Mill.  Frcs.  und  von  diesem  Zuwachs
entfallen  auf  Komraunalobligationen  39  Mill.  Frcs.  oder  57,3  %,  dagegen ­
  auf  Hypothekarobligationen  nur  29  Mill.  Fies,  oder  42,7  %.  Und

q  L’Economiste  Franpais,  22.  April  1916,  S.  571.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.