Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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Geschäftspolitik ging das Streben dahin, den größten Teil der Aktiven 
zu realisieren, keinerlei neue Finanztransaktionen vorzunehmen, die flüs 
sige Mittel binden u. a. m. Diese neue Richtung in der Geschäftsge- 
bahrung spiegelt sich auch in den Bilanzen wieder. So weist z. B. die 
„Banque Franfaise pour le Commerce et ^Industrie“ einige interessante 
Daten auf. Diese Bank hat ihren Effektenbestand und die Report 
engagements innerhalb des ersten Kriegs] ahres um fast die Hälfte ver 
kleinert. Im einzelnen waren die Posten in Mül. Frcs.: 
31. Juli 1914 31. Juli 1915 
Effektenportefeuille +5,00 26,00 
Reports 54,00 25,00 
Andererseits ist ein Stillstand oder ein größeres Anwachsen der sofort 
realisierbaren Werte zu verzeichnen: 
31. Juli 1914 31. Juli 1915 
Barbestand und Bankguthaben .... 35.00 33,00 
Wechsel 45,00 78,00 
Eine ähnliche Bewegung dieser Posten zeigen auch die anderen 
Banken. Der Wechselbestand weist ein Ansteigen auf. Diese Zu 
nahme ist auf den Ankauf der N. V. Wechsel zurückzuführen, die durch 
ihre Ausstattung als liquide Anlage wohl geeignet sind. Zur Frage der 
Rentabilität ist zu bemerken, daß die ausgewiesenen geringen Gewinne 
der Gcsamtlage aller Banques d’affaires entsprechen. 
Eine der ergiebigsten aller ihrer Gewinnquellen, die Gewinne aus 
den Auslands-Anleiheemissionen, ist durch den Krieg zum Versiegen 
gebracht. Auch die zahlreichen, im Auslande arbeitenden Tochter-Unter- 
nehm'-n, Beteiligungen an den verschiedensten europäischen und exo 
tischen Industriegesellschaften, Bankanstalten vermögen nicht mehr die 
früheren Gewinne zu liefern und die alten Bewertungen zu rechtfertigen. 
Denn auch sie sind, obwohl vielleicht weit entfernt vom Kriegsschau 
plätze, dennoch durch die Kriegsvorgängc mehr oder weniger stark in 
Mitleidenschaft gezogen. Sie können daher eine großzügige Dividenden 
politik nicht betreiben. Börsenschluß und erschwerter Effektenhandel 
nach der Wiedereröffnung, gestörte Beziehungen zu der Kundschaft und 
geringe wirtschaftliche Tätigkeit lassen die Erträgnisse aus dem regulären 
Bankgeschäft, soweit sie aus dem Charakter ihrer Banktätigkeit über 
haupt auch früher herauszuziehen waren, auf ein verschwindendes Maß 
zurückgehen. Andererseits erfordern die ungewisse und gefährdete Lage 
der Tochter-Unternehmen im Auslande, die sehr empfindliche Senkung 
des Kursniveaus fast aller kotierten Werte, die im schärfsten Maße die 
fremden Wertpapiere, von denen die Banques d’affaires hohe Bestände 
aufzuweisen haben, große Abschreibungen und Reservedotierungen. 
Durch sorgfältige Abschreibungen und besondere Reservestellungen 
suchen daher die Banques d’affaires eine Reihe von jenen zweifelhaften 
Posten auf eine gesündere Grundlage zu stellen, um vor Überraschungen 
geschützt zu sein, und um bei etwa neueintretenden Krisen größere 
Verluste durch erzwungene Realisationen zu vermeiden. Dies alles be-
	        
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