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Erwin Respondek,
einflußt die Gewinn- und Verlust-Bilanz ganz erheblich und zeitigt nur
kleine Dividenden.
In der durch die gewaltige Ausdehnung des Krieges neu geschaffenen
Lage haben die Credit-Mobilier-Banken ihr natürliches Arbeitsgebiet
verloren. Rußland und sein asiatisches Hinterland bieten keinen Tummel
platz mehr für breit angelegte Finanzierungen von Eisenbahnen, Wasser
werken, Baku und seine Petroleumquellen können nicht mehr vom
französischen Kapital ausgebaut und ausgebeutet werden, die industriellen
Anlagen aller Art in den exotischen Ländern sind nicht mehr durch
zuführen. Neugründungen von Banken, Schiffahrts-Gesellschaften,
Handelshäusern ruhen. Überall ein Bild des Stillstandes und Abwartens,
da alle Arbeiten durch militärische und wirtschaftliche Notwendigkeiten
des eigenen Landes bestimmt werden. Aber der Ausfall an Betätigungs
möglichkeiten in fernen Gebieten kann den Credit-Mobilier-Banken
keine allzu große Verlegenheit für etwa vorhandenen Arbeitsdrang bringen.
Sie sind nicht zum Stillstand verurteilt, da an Stelle der Fremdstaaten
nunmehr das eigene Land getreten ist. Und das eigene Land ist wohl in ’
der Lage, jene hohen Kapitalwünsche ausländischer Staaten allein
abzulösen und den Finanziers hinreichende Arbeitsgelegenheiten für
lange Zeit zu geben. Es verweist die Banken auf den nationalen Krieg
und seine Finanzierung. Es gilt Milliarden zu beschaffen. Die
Credit-Mobilier-Banken haben zunächst nur zögernd, dann aber überaus
intensiv nach dieser Richtung hin gewirkt. Sie stellen jetzt ihre vollen
Kräfte in den Dienst der Unterbringung von Werttiteln des franzö
sischen Staates, der National-Verteidigungswechsel und -Obligationen
und später der ersten großen Kriegs-Anleihe. In der Finanzierung der
Auslands-Bezüge suchen sie die Schwierigkeiten der Valuta-Beschaffung
dadurch abzuschwächen, daß sie neben der Abstoßung fremder, börsen
gängiger Papiere bei ihren Geschäftsfreunden Krediteröffnungen er
wirken. Ihre alten und guten Beziehungen zu vielen englischen und ameri
kanischen Geschäftshäusern, Banken, Industriellen nutzen sie jetzt zum
großen Vorteil der französischen Regierung für die Kriegslieferungen aus.
So schreibt u. a. die „Banque de l’Union Parisienne“ in ihrem Geschäfts
bericht für das Jahr 1915 über diesen Dienst das folgende: „Anderer
seits haben wir mit Hilfe der ersten Banken und Kreditgesellschaften
unseres Platzes in der Frage der Verbesserung unserer Wechselkurse
durch die Initiative der Herren Schneider & Cie und unter ihrer
Bürgschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika eine langfristige
Kredit-Eröffnung erlangt in Höhe von 30 Mill. Dollars bei einer Gruppe,
die sich aus den ersten amerikanischen Banken zusammensetzt“ 1 ).
Uber die Einwirkungen des Krieges auf die Banques d’affaires geben
äußerlich auch noch einige Bilanzdaten (S. m) einen relativen Aufschluß.
Aus diesen kurzen Darlegungen ist wohl ersichtlich, daß die Banques
d’affaires, eingeengt in ihrer eigentlichen Arbeit, dennoch nicht zur Passi-
vität verurteilt sind, vielmehr gerade durch ihren internationalen Cha-
Siehe L'Ecoaomiste Franpais, 15. April 1916, S. 534.