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Erwin Respondek,
liehe Krisis betrachten, die notwendig zwischen Banken und Kunden
kreis irn Falle eines Krieges sich entwickeln mußte. Es kann nur als
bedingt gelten, wenn auf Grund der Bilanzen angenommen wird, daß
die Banken den Anstürmen ihrer Depositengläubiger mit ihren leicht
realisierbaren Aktiven gewachsen sein müssen. Denn die restlose Be
friedigung aller Abhebungen ist tatsächlich nicht durchführbar. Werden
unter diesem Gesichtspunkte Aktiva und Verbindlichkeiten der drei
größten Banken einander gegenübergestellt, so zeigen sie, daß die aus
gesprochene Behauptung volle Geltung hat. Am 31. Mai 1914, also
zwei Monate vor Ausbruch des Krieges, ergab sich das folgende Bild
(in Mill. Frcs. 1 ):
Liquiditätsbild der drei Depositengroßbanken
am 31. M ai 1914.
Depositen
und
Kreditoren
Barguthaben
und
Wechselbestand
Differenz
Credit Lyonnais
2471,00
1590,00
881,00
Society G6n6rale
1868,00
962,00
906,00
Comptoir National
1631,00
1202,00
429,00
5970,00
3754,00
2216,00
Würden nach diesen Zahlen alle Depositengläubiger und Kreditoren
zur sofortigen Abhebung schreiten, so könnten diese drei Banken nur
62,9 % ihrer Gläubiger befriedigen und dies auch nur nach und nach
und so lange, als es ihnen offen steht, ihr Wechselportefeuille bei der
Notenbank zu rediskontieren.
Der Krieg erbrachte denn auch den Beweis des wenig haltbaren
Zustandes der* Mehrzahl der französischen Kreditinstitute. Glück
licherweise kam den Kreditbanken zu Beginn der Kriegskrisis
ein günstiges Moment zugute. Die französische Volkswirtschaft be
fand sich nicht in einem Zustande höchstangespannter Konjunktur,
vielmehr war seit längerer Zeit ein Stillstand im Wirtschaftsleben und
in den Betrieben, die mit den Kreditbanken eng verankert sind, ein
getreten. Von neuen Belastungen während der Krisis blieben die Banken
jedoch nicht verschont. Die stark weichenden Kurse mußten gestützt
werden und führten ihnen neue große Posten Effekten zu ihren schon
vorhandenen hohen Beständen zu. Die Banken waren mit flüssigen
Mitteln an und für sich wenig gekräftigt, und als kurz vor Ausbruch
des Krieges die Börse geschlossen und auf ihre Kassen von den Kunden
Sturm gelaufen wurde, Diskontforderungen und Depotentziehungen in
einem gewaltigen Umfange einsetzten, versuchten sie durch Rediskon
tierung des Wechselportefeuilles bei der Notenbank diesen Forderungen
zu genügen. In einer kurzen Spanne Zeit, in der die Banken den ersten
*) Lachapelle, Georges, a. a. O. S. 190.