Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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um dorthin gelegt zu werden, wo sie unter der jetzt geltenden Sicher 
heit einen möglichst hohen Ertrag abwerfen. Sie werden daher vor 
nehmlich zum Ankauf der 3- oder höchstens 6-raonatlichen Nat.-Vert.- 
Wechsel verwandt. In welchem Umfange dieser Austausch der Gelder 
von Depositencharakter in Wechselanlage und umgekehrt stattfindet, 
kann nicht erfaßt werden, da hierfür alle erforderlichen Angaben fehlen. 
Desgleichen ist es nicht möglich, den Abgang der Depositengelder 
bei den Einzahlungen auf die erste Kriegsanleihe zahlenmäßig darzu 
stellen, da die Banken hierüber Schweigen beobachtet haben. Sie würden 
jedenfalls interessante Aufschlüsse in den Fragen der Zusammensetzung 
der fremden Gelder und den von der Bankkundschaft tatsächlich be 
wirkten Zeichnungen auf die kurz- oder langfristigen Anleihetitel zu 
geben vermögen. Aus der Zweckbestimmung der Depositengelder, wie 
sie sich in den Köpfen der Einleger jeweilig herausbilden mag, aus ihrer 
von den täglichen, bedeutungsvollen Kriegsereignissen entscheidend be 
einflußten Stellungnahme zur wirtschaftlichen Arbeit, aus der mili 
tärischen Entwicklung und eigenen Position werden die Kreditinstitute 
ihrerseits ihre Geschäfts- und Anlagcpolitik ableiten müssen. Sie stehen 
beim Nahen neuer Krisen immer vor den beiden Möglichkeiten: ent 
weder Massenabhebungen oder neues Moratorium. 
Diese veränderte Position auf der Passivseite zwingt sie zu einer 
vorsichtigen, allen Komplikationen gewachsenen Anlagepolitik auf der 
Aktivseite. Sie treiben so während der Kriegszeit in weiser Vorsicht 
eine doppelte Politik. Höchst erreichbare Liquidität und Stärkung ihres 
eigenen Status, dagegen, beeinflußt hierdurch und durch andere Kriegsnot 
wendigkeiten, gegenüber ihren Kunden eine zurückgezogene, für sie unge 
fährliche, doch genügende Kreditgewährung. Bezeichnend für den ersten 
Kreis ihrer neuen Kriegspolitik sind die bereits ausführlicher geschilderten 
Bestrebungen, ihre Kassenbestände und Bankguthaben bei sich und der 
Zentralbank zu stärken, und der Ankauf von Schatzwechseln, die mit den 
anderen Wechseln, soweit sie nicht durch das Moratorium für die gesetz 
lich vorgeschriebenen Zeiten immobilisiert sind, gleichfalls zu den flüs 
sigen Mitteln erster Ordnung zählen. Sie können nämlich bei der Noten 
bank jederzeit rediskontiert werden. Wobei zu beachten bleibt, daß 
„jederzeit" relativ, also abhängig von der Menge ist. Es zählt weiterhin mit 
zur Erhöhung ihrer Zahlungsbereitschaft und Solidität, wenn auf die Liqui 
dierung der alten Report- und Lombardengagements gedrängt wird und 
die neuen Darlehnskredite lediglich auf die Basis guter französischer 
Werte, insbesondere der neuen 10 jährigen Nat.-Vert.-Obligationen und 
der ersten Kriegsanleihe gestellt werden. Parallel mit den Bemühungen, 
die Aktiven auf eine beweglichere Linie zu bringen, ihre Rückwandlung 
in bare Münze ohne Schwierigkeiten, große Zeit- und Wertverluste zu 
erreichen, gehen die Banken in ihrem Verhalten gegenüber den Kunden 
vor allem darauf aus, übermäßige Kreditwünsche zu beschränken. Sie 
haben in engen Grenzen die Diskontierung von Handelswechseln im Laufe 
der letzten Monate wieder aufgenommen, Darlehen und Buchkredite
	        
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