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Erwin Respondek,
Der Präsident der amerikanischen Union hat keine direkte Ant
wort erteilt, sondern erklärt, daß er sich mit dieser Anfrage amtlich
nicht befassen wolle und die Verantwortung der Bank überlasse! Hier
nach ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß die Anleihe von J. P.
Morgan & Co. übernommen wurde.
Im Verlauf des Jahres 19x5 entwickelten die Banken eine leb
haftere Kreditvermittlungstätigkeit, ohne freilich besonders große Er
folge zu erzielen. Gegen sichere Pfänder, die sich charakteristischer
weise nicht aus französischen Wertpapieren, sondern aus amerikanischen
Effekten zusammensetzten, nahmen sie in New York für die Republik
Vorschüsse auf. Die Summen sind nicht einwandfrei festzustellen. In
der „Bank" 1 ) wird vermerkt, „größere Vorschüsse“, die anderen Zeit
schriften und Blätter melden unter Vorbehalten. Für die im inter
nationalen Kreditverkehr durch Banken aufgenommenen Vorschüsse
hat die Notenbank oftmals Bürgschaft übernommen. So vornehmlich
in London und New York. Laut Bericht für 1915 gab die Notenbank
in London wechselmäßige Garantie für einen Vorschuß, der einer Pariser
Bank gewährt wurde, und sie stellte für einen Akzeptkredit in Höhe von
5 Mül. £, der von einer Gruppe Londoner Bankiers auf einjährige Dauer
eröffnet wurde, Kaution 2 ). Auch auf dem amerikanischen Markt über
nahm die Bank wechselmäßige Bürgschaft für 2 Mill. Doll. Außerdem
führte sie mit Brown Brothers eine Anleihe-Transaktion von 20 Mill. Doll,
durch. Einer anderen französischen Bankengruppe wurde durch ihre grund
sätzliche Garantie von 19 Banken und Trust-Gesellschaften New Yorks
Akzeptkredit eingeräumt, der durch 90 tägige Tratten in Anspruch ge
nommen werden kann 3 ). Die Notenbank mußte die Zusicherung geben,
am Tage der Fälligkeit für Golddeckung Sorge zu tragen, falls die anderen
Ausgleichsmittel versagen sollten. Weiter berichtet die Bank von Kredit
eröffnung für ein großes industrielles Unternehmen in New York 4 ).
Andererseits bedient sich die Notenbank der internationalen Be
ziehungen der Kreditinstitute und sucht durch sie auf den internatio
nalen Geldmärkten Kapitalien aufzunehmen. Ende Juni 1915 gelingt es
den Banken für ihre Notenbank bei dem Londoner Bankhause Mon-
tague einen mit französischen Schatzscheinen gedeckten Kredit von.
etwa 100 Mill. Frcs. aufzunehmen 5 ). Dieser Betrag bleibt in London
stehen und wird durch Schecks zur Bezahlung der aus England bezogenen
Waren verwandt. Ein weiterer kleiner Kredit wurde den Banken von
einem New Yorker Finanzhause (J. P. Morgan & Co.) eröffnet, und
zwar in Höhe von 20 Mill. Doll. 6 ). Auch dieser Betrag wurde zur Ab
zahlung der bestehenden Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen ver-
9 Die Bank, Juli 1915, S. 647.
2 ) Bank von Frankreich, Geschäftsbericht 1915, S. 15.
a ) a. a. O. S. 15.
ä ) Die „Frankfurter Zeitung“ vermutet, daß es die Firma Schneider-Creuzot sei.
(siehe März 1916).
5 ) Die Bank, August 1915, S. 764.
*) Bank, September 1915, S. 848.