Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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wandt.  Schließlich  erhielten  die  französischen  Banken  noch  einen  kleinen
Währungskredit  von  15  Milk  Doll. 1 ).
Betrachtet  man  diese  Summen,  die  zwar  durchaus  nicht  als  vollständig ­
  und  genau  erfaßt  gelten  können,  so  dürfte  man  nicht  die  Überzeugung ­
  gewinnen,  daß  es  den  französischen  Kreditbanken  sonderlich
gelungen  ist,  reichliche  Geldmittel  dem  Staate  auf  dem  Wege  des  internationalen ­
  Kredits  zuzuführen  und  damit  seine  Kriegsfinanzierung  so
wirksam  zu  unterstützen,  wie  es  angesichts  der  gewaltig  anwachsenden
Kriegslasten  und  -lieferungen  notwendig  wäre.  Irgendwelche  Anhaltspunkte, ­
  die  ein  Bild  über  den  Charakter  der  Krediteröffnungen  selbst
geben  könnten,  sind  nicht  aufzufinden.  Es  können  auch  nicht  einmal
die  Zinsopfer  und  die  anderen  Lasten  in  eine  kritische  Beleuchtung  hineingezogen ­
  werden,  die  natürlich  zur  Beurteilung  der  Kreditarbeit  von
Bedeutung  sind,  da  es  wiederum  hierüber  an  sicheren  Angaben  mangelt.
Ende  Juli  1916  hat  die  französische  Regierung  durch  Mithilfe  der
Bankwelt  in  Amerika  eine  Anleihe  in  Höhe  von  100,00  Milk  Doll,  aufgenommen. ­
  Sie  ist  mit  5  %  verzinslich  und  in  drei  Jahren  rückzahlbar.
Die  Emission  erfolgt  durch  ein  Garantie-Syndikat.  Demnach  hat  die
Gegenpartei  —  J.  P.  Morgan  &  Co.,  The  First  National  Bank,  National
City  Bank,  Guaranty  Trust  Company  —  zunächst  der  französischen
Regierung  einen  Kredit  eröffnet,  der  später  durch  die  Ausgabe  von
Obligationen  in  den  Verkehr  gebracht  werden  soll.  Das  Konsortium
erhält  von  der  Regierung  als  Unterlage  für  diesen  Kredit  Effekten
neutraler  Staaten.
Obwohl  die  Arbeit  der  französischen  Banken  im  künftigen  Frieden
in  allen  ihren  einzelnen  Richtlinien  nicht  vorausgesagt  werden  kann,
so  dürften  die  Finanzmänner  ihre  Lehren  aus  den  Ereignissen  und
Kriegserfahrungen  schon  gezogen  haben.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,
daß  nach  wie  vor  das  reguläre  Bankgeschäft  auch  nach  Beendigung
des  Krieges  in  alter  Linie  fortgeführt  werden  kann  und  muß.  Nur  die
Methode  erfährt  eine  Änderung.  Welche  neuen  großzügigen  Finanztransaktionen ­
  durch  die  Lösung  der  zahlreichen  neuen  Probleme,  Wiederaufbau ­
  der  heimischen  Wirtschaft,  Neuorganisierung  des  internationalen
Geldverkehrs  und  Liquidierung  der  jetzt  nur  überdeckten  Schäden,
durchzuführen  sein  werden,  hängt  vollkommen  vom  Friedensschlüsse
ab.  Hier  schon  jetzt  die  Perspektiven  zeichnen  zu  wollen,  würde  leicht
in  das  Reich  des  Märchenhaften  und  Unhaltbaren  führen.  Jedoch  darf
mit  aller  Sicherheit  die  Konsequenz  auf  einem  Gebiete  gezogen  werden:
die  Neuorientierung  der  „politique  financiere“.
In  Frankreich,  allerdings  nicht  in  Bank-,  sondern  in  Handelsund ­
  Industrickreisen,  wurden  nach  den  Erfahrungen  im  Kriege  die
Fehler  der  weiter  oben  gezeichneten  „politique  financiere“  rückhaltlos
und  mit  Erbitterung  ausgesprochen.  Es  drang  doch  die  Erkenntnis
durch,  daß  diese  gewaltigen  Kapitalexporte  nach  allen  Richtungen  der
Welt  hin,  die  wohl  unter  den  wirtschaftlichen  Verhältnissen,  wie  sie  in

l )  Die  Bank,  Dezember  1915,  S  1130.
Respondek,  Frankreichs  Bank-  und  Finanzwirtschaft.

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