Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

daher  nur  die  Resultate  der  zweijährigen  Kapitalsbeschaffung  unter
scharfer  Sondierung  der  einzelnen  Geldquellen  genannt  werden,  an  die
sich  sodann  die  für  die  kalkulatorische  Erfassung  der  Einnahmen  bis
Ende  1916  notwendigen  Schätzungen  anschließen.
Hart  an  der  Grenze  ihrer  durch  Gesetz  vorgeschriebenen  Vorschußpflicht ­
  und  auch  ihrer  bankwirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  ist  mit
8500,00  Milk  Eres,  die  Bank  von  Frankreich  angelangt.  Die  erste  und
zuverlässigste  aller  Krcditquellen  neigt  sich  damit  bedenklich  ihrem
Ende  zu.  Nur  noch  500,00  Mill.  Frcs.  stehen  dem  Schatzamte  für  die
nächsten  Monate  zur  Verfügung,  die  gerade  einige  Tage  hinreichen
würden,  wollte  man  sie  restlos  benutzen,  um  mit  ihnen  allein  den
Krieg  zu  finanzieren.  In  der  Not  wird  das  Schatzamt  es  wohl  sorgsam
abwägen,  ob  es  vorteilhafter  ist,  die  Grenze  nochmals  um  vielleicht
3  Milliarden  oder  mehr  zu  erweitern  und  damit  für  die  dringenden  Ausgaben ­
  eine  stets  offene  Geldreserve  zu  besitzen,  oder  die  hohe  Belastung
von  9000,00  Mill.  Frcs.  stehen  zu  lassen  und  sie  durch  Eingänge  aus
Anleihen  abzudecken,  wieder  allmählich  aufzufüllen,  wieder  abzubauen,
und  das  Spiel  so  lange  Zeit  wie  möglich  fortzusetzen.  Jedenfalls  würde
die  finanzielle  Stärke  der  Notenbank  hierdurch  nicht  weiter  wesentlich
beeinträchtigt.  Ihr  Notenumlauf  würde  sich  zwischen  der  15.  und  18.
Milliarde  hin-  und  herbewegen,  während  die  Goldbasis  nach  Möglichkeit ­
  vor  Schmälerungen  zu  bewahren  wäre.  Anders  bei  einer  größeren
Erweiterung  der  Vorschußpflicht.  Mit  einer  solchen  Maßnahme  könnte
der  öffentliche  Kredit  der  Notenbank  leicht  zu  ernstem  Schaden  kommen, ­
  ihre  bisher  aufrechterhaltene  Beweglichkeit  vollständig  verloren
gehen.  Einem  bis  zu  20  Milliarden  Frcs.  aufgetürmten  Notenumlauf,
der  auf  der  Aktivseite  von  gegen  4000,00  Mill.  Frcs.  Gold  getragen
wird  —  wenn  nicht  noch  höhere  Summen  Goldes  nach  dem  Auslande
zur  Stützung  der  dort  aufgenommenen  Kredite  abfließen  —  vermag
auch  nicht  der  alte  gute  Klang  der  Bank  von  Frankreich  den  zu  einem
solchen  Experiment  notwendigen  Halt  zu  bieten.  Daher  kann  mit  gewisser ­
  Sicherheit  darauf  gerechnet  werden,  daß  von  einer  Erhöhung
der  Vorschüsse  abgesehen  wird,  obwohl  der  Finanzminister  bei  der
Vorlage  des  Gesetzentwurfs  für  die  zweite  Kriegsanleihe  am  12.  September ­
  1916  Andeutungen  machte,  die  auch  leicht  anders  ausgelegt
werden  können.  Er  trat  den  offenen  und  versteckten  Treibereien  gegen
die  Notenbank,  von  denen  in  dem  Absätze  „Notenbank“  bereits  geschrieben ­
  wurde,  entgegen  und  stellte  fest,  daß  über  das  Prinzip  der
Aufrechterhaltung  des  Notenprivilegs  eine  Diskussion  überhaupt  nicht
zu  führen  sei,  denn  die  Bank  von  Frankreich  sei  heute  die  unentbehrliche ­
  Basis  des  öffentlichen  Kredites  Frankreichs.  Lediglich  die  Bedingungen ­
  der  Erneuerung  dieses  Privilegs  wären  reiflich  zu  prüfen!
Es  möge  trotzdem  die  Annahme  bestehen,  daß  dem  Schatzamte  für
die  Zeit  vom  1.  August  bis  31.  Dezember  1916  nur  noch  500,00  Mill-Frcs.
  zufließen  werden.
Weniger  zuverlässig  in  ihrer  Wirkung  und  Ergiebigkeit  waren  die
            
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