Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Erwin  Respondek,

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im  eigenen  Lande,  sollen  einige  Erleichterungen  bringen  und  Frankreich
vom  Ausland  unabhängig  machen.  Ob  dies  gelingen  wird,  muß  die
Zukunft  lehren.  Zunächst  ist  Frankreich  noch  auf  den  Bezug  aus  Amerika
und  England  angewiesen,  und  es  wird  seine  Warenbezüge  in  diesen
letzten  Monaten  nicht  anders  decken  können  als  durch  abermalige  Krediteröffnungen ­
  seitens  der  Lieferanten.  Die  gegenseitige  militärische  und
politische  Abhängigkeit  wird  dieser  Tatsache  keinerlei  unüberbrückbare
.Schwierigkeiten  bereiten,  da  sie  das  Interesse  eines  erstrebten  siegreichen ­
  Krieges  einfach  erfordert.  In  welcher  Weise  dagegen  das  Schatzamt ­
  die  Leistungen  des  Inlandes  befriedigen  will,  kann  keinem  Zweifel
unterliegen.  Frankreich  wird  zur  Emission  einer  neuen  Kriegsanleihe
schreiten  müssen.  Und  bereits  am  12.  September  verkündete  der  Finanzminister,
  daß  im  Oktober  die  zweite  5  %  National-Verteidigungs-Anleihe
aufgelegt  würde.
In  Frankreich  ruht  das  Schwergewicht  der  Kriegsfinanzierung  unzweifelhaft ­
  auf  der  Notenbank.  Immer  wieder  wird  auf  die  Bank  von
Frankreich  zurückgegangen  werden,  die  am  Anfang  des  August  1916
mit  einer  Vorschußsumme  von  8600,00  Milk  Frcs.  der  gesetzlichen
Höchstgrenze  schon  bedenklich  nahe  gekommen  ist.  Diese  Verschuldung ­
  des  Schatzamtes  bei  der  Notenbank  kann  tatsächlich  als  eine
fest  fundierte  Schuld  betrachtet  werden.  Sie  wird  durch  größere  Eingänge ­
  aus  einer  Kriegsanleihe  zwar  teilweise  abgedeckt,  verliert  damit
scheinbar  den  Charakter  einer  fundierten  Anleihe,  aber  der  Staat  hat
in  seinen  Vertragsschlüssen  mit  der  Zentralbank  keinerlei  zeitlich
bindende  Verpflichtungen  für  die  Rückzahlung  jener  Kriegsvorschüsse
auf  sich  genommen.  Er  ließ  sich  für  die  Amortisationsquote  und  deren
zeitliche  Verteilung  volle  Freiheit.  Daneben  stützt  die  Notenbank  die
umfangreichen  Auslandskredite.
Lediglich  die  emittierten  Schatzscheine  sind  als  schwebende,  kurzfristige ­
  Schulden  anzusehen,  die,  allgemein  gesprochen,  bei  einer  zu
gewaltigen  Höhe  aus  Gründen  einer  gesunden  Finanzpolitik  zur  Konsolidierung ­
  drängen.  Ein  solcher  Zwang  liegt  nun  aber  für  Frankreich ­
  nicht  vor.  England,  das  durch  frühere,  etwas  ungesund  verwickelte ­
  Finanzierungsmethoden  seinen  Krieg  seit  länger  als  einem
Jahre  ausschließlich  mit  kurzfristigen  Schatzwechseln  finanziert  —  ausgenommen ­
  sind  Kreditaufnahmen  im  Auslande  —  erhöhte  ihren  Umlauf ­
  bis  Ende  September  auf  etwa  1025,00  Miß.  £  oder  rund  26  Milliarden
Frcs.  In  Deutschland  wird  der  Zwischenraum  zweier  Kriegsanleihen
durch  Schatzwechsel  ausgefüllt,  die  steigende  Höhen  erreichen,  bei  der
Emission  der  nächsten  Anleihe  jedoch  zum  weitaus  größten  Teil  wieder
abgedeckt  werden.  Die  Ziffern  erreichen  hier  8  bis  10,  später  noch  mehr
Milliarden  Frcs.
Frankreichs  schwebende  Verbindlichkeiten  sind  bis  zum  31.  Juli
1916  auf  etwa  15  000,00  Mill.  Frcs.  zu  schätzen  (darunter  13  166,00  Mill.
Frcs.  National-Verteidigungs-Wechsel,  der  Rest  kurzfristige  Darlehnsverbindlichkeiten ­
  im  Auslande),  die  an  sich  zu  einer  Konsolidierung
            
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