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Erwin. Respondek,
stung bei der Zeichnung sind jene hohen Vorteile eingeräumt worden.
Auch für alle diejenigen Zeichnungen, die in zeitlich gestaffelter Reihen
folge ihre prospektmäßig vorgeschriebenen Quoten zu zahlen haben,
gelten Zinsvorteile, die den Zeichnungspreis ermäßigen. Die Einzah
lungen sind zu leisten:
Erste . . 15,00% bei der Zeichnung
zweite . . 23% % am 26. Dezember 1916
dritte . . 25,00% „ 16. Februar 1917
vierte. . . 25,00% „ 16. April rgiy.
Somit wird gleichfalls für die späteren Einzahlungen von Mitte
November ab die volle Zinsvergütung gewährt. Mit diesen Berechnungen
ist natürlich auch eine Zinskalkulation verbunden, die den tatsächlichen
Zins unter Beobachtung aller Vergünstigungen zu ermitteln hat. Sie
ergibt unter Einschluß der Amortisationsprämien einen tatsächlichen
Ertrag von 6,125 %• Wiederum hat Leroy-Beaulieu unzweifel
haft Recht, wenn er von der zweiten Anleihe, deren Effektivzins er
allerdings mit nur 5,70 % beziffert, in gleicher Weise wie schon einmal
bei der ersten 5 % Rentenanleihe betont: „Man würde auf der ganzen
Welt, unter den zahlungsfähigen Staaten, vergeblich nach ebenso gün
stigen Bedingungen suchen.“ 1 )
Von Bedeutung ist fernerhin bei der zweiten Anleihe die Frage
der Einzahlungsmittel. Und auch hier wie dort kann in bar und in früher
emittierten Anleihen gezeichnet werden. Aber nur aus den reinen Bar
zeichnungen können dem Schatzamte die für die bevorstehenden Lasten
erforderlichen Kapitalien zufließen. Die Konsolidierung schwebender
Schulden oder Hingabe alter Anleihetitel vergrößert das nominelle
Zeichnungsergebnis, ist jedoch für die Staatskasse ohne die gerade
jetzt erwünschte, neues Geld schaffende Wirkung. Daher wird in
der einsetzenden Propaganda erheblich laut die Barzeichnung betont.
Daneben sind nun zur Zahlung auf die gezeichnete Summe noch die
Bons und Obligationen der Nationalen-Verteidigung zugelassen. Von den
National-Verteidigungs-Wechseln waren am 31. Juli 1916 gegen i3i66Mill.
Frcs. im Umlauf, eine Summe, die bis zum Zeichnungstermin zuge
nommen haben wird. Sie werden wie bares Geld bei Zeichnungen vom
Schatzamte in Empfang genommen und damit der Konsolidierung
zugeführt. Erheblich geringer ist die Umlaufsziffer der 5 % Obligationen,
deren Besitzer seit ihrer Entstehung das Recht der Konversion in spätere
Anleihen zuerteilt haben und die von den 1037 Milk Frcs. wohl nicht
viel zurückhalten dürften. Schließlich ist der kleine Rest der bekannten
3J2 % amortisablen Rente des Jahres 1914 ebenfalls zur Zahlung zu
gelassen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er von der 5 % neuen
Anleihe aufgesogen und von der Bildfläche vollkommen verschwinden
wird. Durch die Nichtkotierung an der Börse ist ihr ja der Boden zur
Existenz an und für sich bereits entzogen worden.
x ) L’Economiste Franjais, 30. September 1916, S. 448.