Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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sehr starken Geldvorrat — andererseits auch durch ein gutes Wechsel 
portefeuille — wird der öffentliche Kredit der Zentralbank gestützt. 
Für die Bank von Frankreich ist die Lösung dieses ebenso wichtigen 
wie schweren Problems eine der ersten Fragen gewesen. Natürliche 
Verbindungen und ein sorgsam ausgearbeitetes, eigener Politik ent 
sprungenes System haben ihr die Lösung der Aufgabe wesentlich er 
leichtert. 
Frankreich vermag dank seiner guten geographischen Lage und 
seines überaus fruchtbaren Bodens so viel Naturprodukte und Kapita 
lien auszuführen, daß seine Zahlungsbilanz ständig aktiv ist, obwohl 
die Handelsbilanz mit Passivsalden abschließt. Hierdurch vermag 
Frankreich Gold aus dem Auslande in das Inland zu ziehen. 
Im Inlande selbst saugt die Bank durch ihre scharf ausgebildete 
und durchdachte Goldpolitik das gelbe Metall in großen Summen an 
sich. Der Geldvorrat im Lande wird auf 6—7 Milliarden Frcs. geschätzt 1 ), 
von dem die Notenbank allmählich beträchtliche Summen in ihre Keller 
geleitet hat. Durch diese Zuflüsse aus den beiden Richtungen stieg 
der Goldschatz der Notenbank von Jahr zu Jahr in beträchtlichem Maße. 
Einige wenige Zahlen zeigen diese Entwicklung deutlich an (in Mill. Frcs.): 
Goldbewegung der Notenbank 
von 1880—1913. 
Jahr 
31. Dezember 
Goldbestand 
1881 
605,00 
I89O 
1256,00 
1900 
2103,00 
1905 
2855,00 
1908 
3052,00 
1909 
3630,00 
1910 
3400,00 
I9II 
3206,00 
1912 
3239,00 
1913 
3343.0° 
Den einmal angesammelten Bestand hält die Bank aber auch fest. 
Diskont- und Goldprämienpolitik sind die beiden Werkzeuge, deren 
Sl ch die Bank von Frankreich zu bedienen verstand, um vor unerwünsch 
ten Goldentziehungen bewahrt zu bleiben. 
Sie diskontiert nur Wechsel mit 3 Unterschriften. Da die Handel 
nd Gewerbetreibenden selten in der Lage sind, Wechsel gemäß den 
gestellten Anforderungen vorlegen zu können, so müssen sie sich vor 
nehmlich an die Privatbanken wenden, die ihrerseits nur 2 Unterschriften 
fordern. Auf diese Weise hält die Notenbank große Wechselsummen 
von sich fern. Die hiermit verbundene geringe Inanspruchnahme und 
J Raphael Georges Levy schätzt den Geldvorrat Frankreichs auf 6 bis 
Milliarden Frcs. (L'Economiste Franpais 29. Mai 1915, Nr. 22, S. 694). 
Respondek, Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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