Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin Respondek, 
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1913 zog sie daher in auffallender Weise Gold an sich, und es gelang 
ihr, von diesem Zeitpunkte an bis zum Ende des Jahres 1914 den Gold 
bestand um fast eine Milliarde Frcs. zu erhöhen. 
Mit welchem zielbewußten Willen die Notenbank arbeitete, beweist 
die Tatsache, daß sie auch kein Opfer scheute, um das gelbe Metall 
zu erlangen. Dieses Streben um Gold wurde ohne Berücksichtigung 
der öffentlichen Meinung, ohne Rücksicht auf Preis u. ä. m. fortgeführt. 
Frankreich war — neben Rußland — in den ersten Monaten des Jahres 
1914 ständiger Käufer auf dem Londoner Goldmarkte, auch wenn der 
Wechselkurs gegen das Land notierte. Keine Woche verging, in der 
die Notenbank nicht einen Goldzuwachs in den Ausweisen zu ihren 
Gunsten zu verbuchen gehabt hätte. Die Schuldner-Staaten — Süd 
amerika, New York usw. —mußten ihre Zahlungen in Gold remittieren 1 ). 
So ergoß sich nach Frankreich ein ununterbrochener Goldstrom, den 
die Notenbank in ihre Keller leitete. 
In der Tabelle auf S. 39 wird der Versuch gemacht, auf Grund 
der Angaben der „Frankfurter Zeitung“ über die Goldbewegungen 
— aus den Wochenberichten ihres Pariser Korrespondenten — und den 
ausgewiesenen Goldzuwachs in den Wochenbilanzen der Bank den Gold 
zufluß aus dem Auslande in die Bank von Frankreich zu erfassen. Als 
Zeitspanne dient die Periode vom 1. Januar bis 1. Juli 1914. 
Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, daß der Goldzuwachs bei 
der Notenbank im 1. Semester 1914: 468 Mill. Frcs. beträgt. Ihm steht 
ein Goldzufluß aus dem Auslande im 1. Semester 1914 von 426 Mill. 
Frcs. gegenüber. 
Auch unter Berücksichtigung möglicher Fehlerquellen, wie etwa 
doppelte Anführung, unterlassene Meldungen seitens des Korrespon 
denten, kann der innere Zusammenhang dieser äquivalenten Bewegungen 
nicht erschüttert werden. Für die unentwegten Ankäufe auf dem 
Londoner Goldmarkte — auch Rußland war hier ständig vertreten 
und zeichnete sich infolge stark ausgeprägten Bedürfnisses bei den 
Goldankäufen besonders aus — wurden zur Beruhigung der an 
deren Staaten die verschiedensten Erklärungen abgegeben. Einmal 
wurde das Gold zu „finanziellen Transaktionen“ benötigt, dann 
wiederum für Rußland, das größere Bahnbauten und Valuta 
regulierungen vornehmen möchte, usw. Der Drang nach dem 
Golde war um so unverständlicher, als die Wechselkurse für beide 
Länder ungünstig waren und somit theoretisch keine Goldkäufe zu 
ließen. So führte u. a. die „Frankfurter Zeitung“ als einen Er 
klärungsgrund an: 
„Sicher scheint es zu sein, daß ein gut Stück Nervosität mitspieit, 
b Anläßlich der starken Goldzugänge schreibt die „Frankfurter Zeitung“ vom x6. Juni 
1914 wörtlich: „Frankreich zieht ganz augenscheinlich immer mehr von allen Seiten 
seine Guthaben zurück und hat auch wohl Effekten verkauft, für die es nunmehr Gold 
erhält.“
	        
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