Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Erwin  Respondek,

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hat  somit  die  Bank  von  Frankreich  als  Führerin  und  Hüterin  der
Währung  zu  achten,  um  Schäden  abzuwenden  und  Vorteile  auszunutzen. ­

Nach  Ausbruch  des  Krieges  und  während  der  ersten  6—8  Monate
seiner  Dauer  bedurfte  die  französische  Währung  keines  Schutzes.  Die
Gläubigerrolle,  die  Frankreich  in  der  ganzen  Welt  spielt,  ließ  den  Gedanken ­
  an  eine  etwa  mögliche  Gefährdung  der  Valuta  überhaupt  gar
nicht  aufkommen.  Frankreichs  Zahlungsbilanz  war  an  sich  auch  in  ruhigen
Zeiten  immer  aktiv,  und  sie  hat  in  den  letzten  Friedensmonaten  durch
die  energische  Heranziehung  von  Auslandsguthaben  aus  einer  Reihe
von  Schuldner-Staaten  noch  erheblich  an  innerer  Festigung  und  hoher
Aktivität  gewonnen.  Mit  der  Verwicklung  Frankreichs  in  den  Krieg  ward
es  klar,  daß  in  Kürze  sicherlich  auch  die  restlichen,  kurzfristigen  Guthaben ­
  zur  Ablösung  herangezogen  würden,  was  infolge  der  Ungewißheit
über  die  Möglichkeit,  hierfür  einen  neuen  Gläubiger  zu  finden,  den
fremden  Staaten  reichlich  Nahrung  zur  Überwertung  der  Frankendevise
gab.  Devise  Paris  war  an  den  Hauptbörsenplätzen  gesucht  und  stand
bald  über  Pari.  Auch  der  Pariser  Devisenmarkt  bot  bei  Ausbruch  des
Krieges  das  Bild  einer  aktiven  Zahlungsbilanz.  Alle  fremden  Valuten
erfuhren  Erschütterungen.  Devisen  auf  die  Mehrzahl  der  Länder  waren
überhaupt  nicht  negozierbar.  Pfund  Sterling  und  Dollar  erlitten  in
ihrer  Bewertung  einen  heftigen  Sturz.  Sie  notierten  für  längere  Zeit
unter  Pari:
Parität  Kurs
Pfund  Sterling  .  .  25,22  24,00
Dollar  5,18  4,50
Wechsel  und  Schecks  in  Pfund  Sterling  oder  Dollars  waren  an  der
Börse  und  in  den  Pariser  Banken  nicht  zu  realisieren.  Sie  verpflichteten
zwar  erstklassige  Londoner  und  New  Yorker  Firmen,  wurden  aber  dennoch ­
  von  den  Banken  zurückgewiesen.  Die  Pariser  Blätter  berichten,
daß  Pfund  Sterling,  also  das  Standardgeld  der  Welt,  in  keiner  Bank  zu
wechseln  war.  Und  gerade  in  jene  erste  Zeit  fallen  die  ersten  patriotischen ­
  Bestrebungen,  die  Gelegenheit  wahrzunehmen,  die  sich  Frankreich
bietet,  um  Deutschlands  Platz  im  internationalen  Handel  einzunehmen,
die  Arbeitstätigkeit  im  Inlande  wieder  zu  beleben,  und  den  Anteil  Deutschlands ­
  am  Welthandel  für  immer  an  sich  zu  reißen  und  zu  behalten.  Es
ist  verständlich,  daß  in  der  hohen  Begeisterung  die  Schwierigkeiten  eines
solchen  Beginnens  nicht  gesehen  und  gewürdigt  wurden,  Hindernisse,
denen  sich  klardenkende  Köpfe  nicht  verschließen  konnten,  aber  dennoch ­
  wollten.  So  machte  man  sich  auch  gar  nicht  klar,  daß  ein  internationaler ­
  Handel  nicht  möglich  ist,  so  lange  u.  a.  die  internationalen
Zahlungsmittel,  Wechsel,  Schecks  und  Anweisungen  nicht  Wieder  ungo
stört  ihre  Funktionen  erfüllen  können.
Das  Chaos  am  französischen  Devisenmärkte  durfte  nicht  lange
anhalten.  Kriegsnotwendigkeiten  zwangen  zur  Disziplinierung  und
schrieben  den  Weg  vor,  in  welcher  Weise  der  Eingriff  zu  erfolgen  hatte.
            
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