Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

Goldbestand  von  4  Milliarden  Frcs.  Sofort  schwirrten  in  einigen  Köpfen
die  kühnen  Worte:  Inflation,  Zettelwirtschaft  u.  ä.  m.  umher.  Etliche
zogen  Parallelen  mit  den  Jahren  der  Revolution  und  prägten  auch  für
die  heutige  Zeit  das  Schlagwort  der  Revolutionszeit:  Assignatenwirt  -
schaft.  Schon  wurde  Frankreich  finanziell  besiegt,  der  Staatsbankerott
wurde  für  unvermeidlich  erklärt,  kurz  der  Zeitungspresse-Stab  wollte  offenbar ­
  dem  deutschen  militärischen  Generalstab  an  Schnelligkeit  und  Treffsicherheit ­
  nicht  nachstehen!  Dennoch  brach  die  Geldwirtschaft  Frankreichs, ­
  die  nach  den  Schilderungen  der  Tagespresse  eine  wahre  polnische
Wirtschaft  sein  mußte,  nicht  zusammen.  Im  Gegenteil!  Die  Wechselkurse, ­
  jene  Barometer  der  nationalen  Kraft  und  Güte,  blieben  konstant
und  waren  zum  Teil  sogar  gestiegen,  auch  als  der  Notenumlauf  im  Februar
1915  auf  nahezu  11  Milliarden  Frcs.  angewachsen  war  und  durch  einen
Goldbestand  von  4,2  Milliarden  Frcs.,  d.  h.  zu  39  %  in  Gold  gedeckt
wurde.  Diese  Tatsachen  scheinen  alle  jene  Theorien  zu  erschüttern,
die  als  erstes  Gesetz  den  Satz  aussprechen,  das  Geld  erhalte  seine  Zahlkraft ­
  und  seinen  inneren  Wert  vom  Metall.  Der  französische  Staat  schuf
doch  unentwegt  und  in  großen  Mengen  neues  Geld  und  preßte  es  nach
seinen  Bedürfnissen  in  den  Verkehr  hinein.  Auf  der  Gegenseite  haben
die  Noten  sich  tatsächlich  volle  Geltung  verschafft.  Denn  dieses  neue
Papiergeld  wird  dem  Golde  äquivalent  gehalten:  Dies  beweist  nichts
besser,  als  das  Verhalten  von  Groß  und  Klein,  die  in  hohem  Maße  gewaltige ­
  Mengen  Noten  thesaurierten  und  mit  ebenso  inniger  Sorgfalt
und  Liebe  aufbewahrten  wie  Goldmünzen.  Für  den  internationalen
Geldmarkt  gelten  diese  Überlegungen  jedoch  nicht  in  vollem  Umfange.
Auf  die  Dauer  wird  eine  unbeschränkte  Notenemission  nicht  ohne  Wirkungen ­
  auf  die  internationale  Bewertung  des  Franken  bleiben  können,
wenn  auch  der  Notenumlauf  allein  auf  seinen  inneren  Wert  nicht  bestimmend ­
  und  entscheidend  einwirkt.
Im  März  des  Jahres  1915  —  d.  h.  also  im  achten  Kriegsmonat  —
setzte  an  der  Pariser  Börse  eine  Höherbewertung  der  ausländischen
Wechsel  ein,  die  im  Vergleich  zu  den  bisherigen  Notierungen  eine  gewisse ­
  Bestürzung  hervorrief.  Das  Pfund  Sterling,  der  Dollar,  Gulden,
Schweizer  Franken,  die  Peseta  u.  a.  wurden  zu  immer  höheren  Kursen
nachgefragt.  Die  Kurse  stiegen  rasch  in  die  Höhe,  und  parallel  mit  dieser
Erscheinung  fielen  die  Kurse  der  Franken-Devise  an  den  Börsenplätzen
befreundeter  und  neutraler  Staaten  ebenso  rasch  in  die  Tiefe.
Am  10.  März  1915  notierten:
x.  London
2.  New  -  York
3.  Schweiz
4.  Holland
5.  Skandinavien  ....
6.  Spanien
und  schon  nach  etwa  3  Monaten,  am
1.  London
2.  New  -  York

G.  B.
25,25—25,35
5.23%—5,28  y 2
101,00—103,00
209,00  211,00
127,00  132,00
5,10—5,20
3.  Juni  1915  erreichten  sie:
25,91  %—-26,06  Vz
5>3°/4—5>48/4
            
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