Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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her  fürchten,  den  Absatz  zu  verlieren,  wenn  er  die  Handweber  in  größerem ­
  Umfange  beschäftigt.  Dies  ist  einer  der  Gründe,  aus  dem  die
überwiegend  meisten  Baumwollbuntwebereien  nach  und  nach  die  Beschäftigung ­
  der  Handweb-er  gänzlich  eingestellt  haben.  Auch  die  G.  m.  b.  H.
Christian  Dierig,  die  gegenwärtig  fast  die  einzige  Auftraggeberin  auf
Handware  in  den  drei  genannten  Orten  sein  soll,  wird  voraussichtlich
nur  noch  einige  ganz  wenige  Jahre  hindurch  aus  dem  gleichen  Grunde
die  Handweber  mit  der  Hand  Weberei  beschäftigen  können.  Denn  schon
jetzt  wird  es  außerordentlich  schwer,  die  handgewebte  Ware  (wegen  ihrer
Mängel  im  Vergleich  zur  mechanisch  gewebten)  im  Verkauf  unterzubringen; ­
  Verkaufspreise  dafür  zu  erzielen,  die  denen  der  mechanischen
Ware  entsprechen,  ist  nahezu  ausgeschlossen.  Auch  eine  moralische  Verpflichtung, ­
  die  Leute  weiter  zu  beschäftigen,  würde  die  G.  m.  b.  H.
Christian  Dierig  nicht  besitzen:  Wenn  sie  die  handgewebte  Ware  nur  noch
mit  Verlust  oder  doch  ohne  Gewinn  verkaufen  kann  und  wenn  sie  dabei ­
  zugleich  den  guten  Ruf  ihrer  Firma  gefährden  würde,  so  wird  sie
sich  ebenso  von  der  Beschäftigung  zurückziehen  müssen,  wie  sich  die
übrigen  Fabrikanten,  die  die  Handweber  früher  beschäftigten,  von  diesen
zurückgezogen  haben.

VII.  Heimarbeit  und  Kandmirtfchast.
Die  Frage  der  Heimarbeit  auf  dem  Lande  hat,  wie  die  Bestrebungen ­
  zu  ihrer  Neueinführung  oder  Wiederbelebung  in  den
letzten  Jahren  beweisen,  an  Bedeutung  gewonnen,  stets  unter  dem
Gesichtspunkt,  daß  sie  der  Landflucht  entgegenwirkt  und  den  ländlichen ­
  Kleinbesitz  stärkt,  indem  sie  winterliche  Füllarbeit  und  den
oft  unentbehrlichen  baren  Zuverdienst  gewährt.  Diese  Betrachtungsweise ­
  stellt  die  Frage:  was  frommt  der  L  a  n  d  w  i  r  t  s  ch  a  f  t?
in  den  Vordergrund,  läßt  aber  zumeist  die  andere,  nicht  niinder
wichtige  Frage:  was  frommt  der  Heimarbeit?  gänzlich  außer
acht.  Daß  eine  solche  Fragestellung  sehr  leicht  zu  einem  einseitigen
Werturteil  führt,  ist  ohne  weiteres  ersichtlich.  Das  Problem  muß
heißen:  Heimarbeit  und  Landwirtschaft,  wobei  der
Ton  gleichmäßig  auf  beide  Hauptwörter  zu  legen  ist.
            
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