Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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Arbeiten.  Bei  einem  später  eintretenden  Rückgang  der  Hausindustrie ­
  sind  sie  nicht  mehr  fähig  und  gewillt,  die  gröbere  Feldarbeit
zu  verrichten  und  haben  auch  die  häusliche  Tätigkeit  verlernt.  Der
Hausstand  geht  zurück,  die  Mädchen  streben  in  die-Fabriken,  und
der  Landwirtschaft  werden  die  nötigen  Arbeitskräfte  immer  mehr
entzogen.  Irrtümlicherweise  wird  der  Hausindustrie  eine  entgegengesetzte, ­
  die  Landwirtschaft  erhaltende  Einwirkung  zugeschrieben;  die
brachliegenden  Felder  in  den  hausindustriellen  Gegenden  beweisen
die  Unrichtigkeit  dieser  Angabe."
Allerdings  werden  diese  Erfahrungen  nicht  allgemein  bestätigt;
der  Anreiz,  Heimarbeit  zu  betreiben,  ist  von  ihrer  Entlohnung  abhängig, ­
  aber  fast  immer  erwächst  der  Landarbeit  für  den  fremden ­
  Betrieb  in  der  Heimarbeit  ein  bedenklicher  Wettbewerb.
Das  Gleiche  gilt  in  noch  stärkerem  Maße  für  den  in  Ostdeutschland ­
  vorherrschenden  besitzlosen  Landarbeiter.  Ja,  es  erscheint ­
  fraglich,  ob  bei  Menschen,  die  nicht  durch  Eigenbesitz  mit
der  Scholle  verknüpft  sind,  für  die  es  -ein  Aufsteigen  auf  dem
Lande  nicht  gibt,  die  Landflucht  durch  das  kleine  Mittelchen  der
winterlichen  Heimarbeit  eingedämmt  werden  kann.  Die  Versuche,
die  hier  und  da  damft  gemacht  sind,  erfolgten  in  so  winzigen  Ausmaßen ­
  und  sind  in  so  hohem  Maße  abhängig  von  der  hingebenden
Tätigkeit  einiger  besonders  tatkräftiger  Einzelpersönlichkeiten,  daß  sie
für  die  Beurteilung  der  Gesamtfrage  kaun:  in  Betracht  kommen.
So  hat  Rittergutsbesitzer  Schöning  in  Pommern,  von  der  altberühmten ­
  Weizacker  Weberei  ausgehend,  diese  Industrie  neu  belebt
und  glaubt  dadurch  der  Lsutenot  auf  feinem  Gut  gesteuert  und
seßhafte  Arbeiter  gewonnen  zu  haben.  Auch  aus  der  Kassubei  werden ­
  mit  der  Wiederbelebung  der  alten  Stickerei  ähnliche  Erfolge
berichtet,  und  in  Ostpreußen  hat  man  sich  bemüht,  als  winterliche
Füllarbeit  die  alte  Weberei  zu  beleben.  Die  Berichte  der  Urheber
dieser  Versuche  lassen  ersehen,  daß  damit  gewisse  Erfolge  erzielt
sind.  Wir  dürfen  sie  aber  weder  ihrer  zahlenmäßigen  Bedeutung
noch  ihrem  inneren  Werte  nach  überschätzen.  Von  den  wenigen
geglückten  Experimenten  wird  gern  gesprochen,  die  anderen  fallen
:n  aller  Stille  unter  den  Tisch.
            
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