Full text : Die Heimarbeit im Kriege

143

liche  Hcmssleiß"  über  die  Stränge  schlägt  und  zu  richtiger,  auch  im
Sommer  betriebener  Heimarbeit  wird,  unterschätzen.  So  manche
Heimarbeit,  die  unter  dieser  harmlosen  Maske  eingeführt  wurde,
hat  sich  zum  Hauptberuf  entwickelt  und  die  Arbeiter  der  Landwirtschaft ­
  entzogen  oder  doch  zum  mindesten  den  Boden  vorbereitet,  aus
dein  das  Unternehmertum  dann  weiterarbeiten  konnte.  Denn  wenn
sich  auch  die  Heimarbeit  besser  als  jede  andere  Tätigkeit  in  die  leeren
Stunde»  und  Tage  einfügen  läßt,  so  empfindet  der  Unternehmer ­
  doch  die  sommerliche  Unterbrechung  lästig;  sein  Streben
ist,  Dauerarbeiter  zu  gewinnen.  Nun  fallen  die  Hauptzeiten  in  Saisongewerben ­
  oft  gerade  mit  den  Zeiten  gesteigerter  landwirtschaftlicher ­
  Tätigkeit  zusammen,  so  in  der  Konfektion  von  März  bis
Pfingsten  und  von  August  bis  November,  in  der  Spielwarenindustrie ­
  von  Frühsommer  bis  November,  so  daß  diese  Gewerbe  sich
schlecht  einfügen;  günstiger  liegt  es  allerdings  bei  der  Weberei,
Stickerei,  Spitzenindustrie,  Strohhutnäherei  u.  a.  m.
*  X-*
  .
Nicht  minder  wichtig  als  die  bisher  zur  Darstellung  gelangte
Wirkung  der  Heimarbeit  auf  die  Landwirtschaft  ist  die  Rückwirkung ­
  der  ländlichen  Heimarbeit  auf  d  ie  städ  -
tisch  e.  Faßt  man  das  Heimarbeitsproblem  lediglich  von  der
Lohnseite  an,  d.  h.  fragt  man  sich,  welche  Wirkung  übt  die  ländliche ­
  Heimarbeit  auf  die  Lohn-  und  Arbeitsverhältniffe  auf  dem  gesamten ­
  Heimarbeitmarkt  aus,  gelangt  man  mit  zwingender  Logik
zu  einem  sehr  wenig  freundlichen  Urteil  über  die  ländliche  Heimarbeit. ­
  Sie  verstärkt  das  ohnehin  schon  übermäßige  Arbeitsangebot ­
  und  nimmt  städtischen  Arbeitern  das  Brot  weg.  Gewiß  mag
man  mit  Recht  sagen,  daß  jeder  das  gleiche  „Recht  auf  Arbeit"  hat
und  daß  die  städtischen  Heimarbeiter  kein  Privileg  auf  die  gesamte
Arbeit  haben.  Was  über  ibt'efert  Wettbewerb  für  den  städtischen  Arbeiter ­
  so  erschwert,  ja  zum  Teil  unmöglich  niacht  mid  die  bedenklichsten ­
  Folgen  für  unsere  gesamte  Heimarbeitspolitik  hat,  ist  der
schwere  Lohndruck,  der  von  der  ländlichen  Heimarbeit  ausgeht.  Der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.