Full text : Die Heimarbeit im Kriege

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brieten,  Justieren  und  Abzählen  derselben.  Eine  Schwierigkeit  ist
allerdings  die  Beschaffung  der  nötigen  Maschinen  und  Kleinmotoren. ­
  Werden  sie  vom  Unternehmer  gestellt  oder  mietweise,
resp.  auf  Abzahlung  überlassen,  so  ergibt  sich  zumeist  ein  wenig
erfreuliches  Abhängigkeitsverhältnis  vom  Arbeitgeber.  Beschafft  sie
der  Arbeiter  auf  eigene  Kosten,  so  läuft  er  ein  nicht  unbeträchtliches
Risiko.  Der  Heimatdank  zieht  auch  in  den  Bereich  der  Möglichkeit, ­
  daß  die  Anschaffung  dem  Heimarbeiter  durch  billigen  Kredit
erleichtert  und  die  Kosten  des  elektrischen  Antriebs  durch  die  gemeinnützige ­
  Fürsorge  oder  von  den  Organen  genossenschaftlicher
Selbsthilfe  getragen  werden.  Das  ist  natürlich  wohl  möglich;  die
hierfür  ausgeworfenen  Summen  müssen  aber  stets  in  die  Volkse
wirtschaftliche  Bilanz  dieser  Heimarbeit  voll  eingestellt  werden.
Wesentlich  aussichtsreicher  sind  naturgemäß  die  gelernten,
handwerksmäßigen  Hausgewerbe  —  die  Sattlerei,  Schneiderei,
Schuhmacherei,  Graphik,  die  zudem  den  Vorzug  haben,  im  Augenblick ­
  ziemlich  gut  beschäftigt  zu  sein.  Sie  kommen  aber  wohl  nur
für  diejenigen  in  Betracht,  die  bereits  den  gleichen  oder  doch  verwandten ­
  Berufen  angehörten.  Die  Friedenserfahrungen')  deuten
darauf  hin,  daß  diese  gelernten  Hausgewerbe  nicht  in  irgendwie
nennenswertem  Maße  eine  Zufluchtsstätte  für  halbe  Kräfte
sind,  die  aus  anderen  Berufen  stammen.  Jahrelange  persönliche
Beobachtung  der  aus  der  Lungenheilstätte  Ruppertshain  bei  Frankfurt ­
  a.  M.  Entlassenen  ergab  keinen  Fäll,  in  denr  sich  diese  gelernter ­
  Heimarbeit  zugewendet  hätten;  das  gleiche  bestätigte  eine
Umfrage  bei  verschiedenen  städtischen  Armenpflegern  und  eine  Durchprüfung ­
  der  von  der  „Speherschen  Stiftung  siir  Heimarbeiter"  in
Frankfurt  a.  M.  unterstützten  Fälle.  Daß  die  gelernten  Hausindustrien, ­
  obgleich  sie  an  sich  die  besten  Erwerbsmöglichkeiten
bieten,  nicht  eigentlich  als  „Minderberuf"  in  Frage  kommen,  deutet
ein  Vergleich  der  Altersschichtung  der  in  Werkstätten  und  in
Heimarbeit  beschäftigten  Arbeiter  dieser  Industrien  an.  Die  jüngsten ­
  Jahrgänge  sind  zwar  in  der  Heimarbeit  etwas  schwächer  vertreten, ­
  mit  dem  50.  Lebensjahr  ist  aber  der  Unterschied  völlig  aush

  Gaebel,  Die  Heimarbeit,  Seite  37  ff.
            
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