Full text: Die Heimarbeit im Kriege

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Es scheint naheliegend, das Lohnproblem in der Heimarbeit 
dadurch zu lösen, daß Genossenschaften den Vertrieb der .Heim 
arbeitserzeugnisse übernehmen und dadurch den Arbeitern den vollen 
Lohn ohne Abzug des Unternehmeraewinnes sichern. So darf es 
nicht wundernehmen, daß trotz aller Mißerfolge der Produktivge- 
nossenschaften die Versuche recht zahlreich sind, der Not der Heini- 
arbeiter aus den: Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe zu steuern. 
Dabei sind von vornherein zivei Formen der Genossenschaft 
jcharf auseinanderzuhälten, da sie außer der rechtlichen Form wenig 
Gemeinsames haben: die Genossenschaften, die f ii r die .Heim 
arbeiter, und solche, die von den Heimarbeitern gebildet sind. 
In die Form der Genossenschaft haben sich eine Anzahl von 
Vereinen gekleidet, die teils gemeinnützige, teils Erwerbszwecke ver 
folgen, deren eigentliche Träger aber, sowohl was die geldliche Grund 
lage, als auch die Verwaltung anbetrifft, nicht Heimarbeiter sind. 
Als Beispiel einer solchen Genossenschaft sei hier die Fami'lienhilfe 
e. G. m. b. H. in Karlsruhe erwähnt, die am 4. April 1916 ins 
Leben trat. Die Gründung ging von einer Reihe sozialinteressieirter 
Persönlichkeiten aus, die auch den Vorstand und Aufsichtsrat bilden. 
Zwar wird von den Heimarbeitern, die der Genossenschaft bei 
treten wollen, die Erwerbung eines Geschäftsanteils von 30 Mk. 
gefordert, aber die Gründer waren sich von vornherein klar, daß 
es mit so winzigen Beiträgen unmöglich ist, ein leistungsfähiges 
Unternehmen 31t schaffen, und erließen daher einen Aufruf an sozial 
interessierte Männer und Frauen, der in der Bitte gipfelt, das not 
wendige Betriebskapital durch Erwerbung einer oder mehrerer Ge 
schäftsanteile aufzubringen. Der gemeinnützige Charakter dieser 
Zuwendung erhellt daraus, daß die Geschäftsgnthabeu un 
verzinslich sind und ein etwaiger Gewinn unter die 
von der Gewerkschaft beschäftigten Mitglieder nach Maßgabe 
der ausgezahlten Gehälter oder Löhne verteilt wird. Es ist ersicht 
lich, daß es sich hier um einen gemeinnützigen Verein handelt, der 
aus Schönheitsgründen das genossenschaftliche Kleid angelegt hat, 
.aber nicht von den Heimarbeitern selbst getragen wird. 
Von anderen Voraussetzungen gehen eine Reihe von Hauswe
	        
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