Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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Liebei  (geb.  1882  zu  Waldsee  i.  Wttbg.)  und  Dr.  C.  Cheneval,  ein
Schweizer,  in  die  Handelsteilleitung  ein.
Dieser  Ausbau  des  Handelsteiles,  mit  dem  ein  Zentrumsblatt
zum  ersten  Male  mit  der  übrigen  großen  Presse  in  Wettbewerb
trat,  erwies  sich  als  eine  weittragende  Tat.  Sie  war  zwar  mit
vieler  Arbeit  und  großen  Kosten  verknüpft,  hob  aber  die  Verbreitung ­
  und  das  Ansehen  der  KV  in  einem  Maße,  daß  sie  auch
von  ihren  politischen  Gegnern  beachtet  und  bezogen  wurde.
Am  4.  Dezember  1888  ging  der  Verlag  zur  Ausgabe  eines  eigenen
Kursblattes  als  Ergänzungsblatt  über,  das  mit  den  Zügen  gegen
’/*5  Uhr  nachmittags  zum  Versand  kam.  Es  wurde  zunächst  nur  an
die  Bezieher  in  den  größeren  rheinischen  Städten  versandt.  Weil  es
außer  dem  Kurszettel  auch  die  neuesten  Handelsdrahtberichte  enthielt,
wuchs  die  Auflage  ständig  (am  18.  Juni  1890  wurde  es  zum  ersten  Male
nach  Westfalen  versandt)  bis  es  endlich  am  12.  März  1898  als  „Drittes
Blatt“  der  Gesamtauflage  angegliedert  wurde.  Zum  regelmäßig  dreimal ­
  erscheinenden  (d.  h.  dreimal  ausgetragenen  und  versandten)  Blatte
wurde  aber  die  KV  erst  am  26.  Februar  1903.  Schon  im  Jahre  vorher
waren  die  eigenen  Hauptvertretungen  der  Geschäftsstelle  (Agenturen)  auf
die  Städte  Aachen,  Bonn,  Brühl,  Düren,  Düsseldorf,  M.Gladbach,  Mülheim ­
  a.  Rh.  und  Neuß  ausgedehnt  worden,  durch  welche  seit  1903  die
Zeitung  durch  besondere  Boten  vom  Bahnhof  aus  täglich  dreimal  ausgetragen
  wird.  Eine  Haaptvertretung  der  Geschäftsstelle  in  Berlin  W,
Potsdamerstraße  127  b,  wurde  am  10.  November  1904  eröffnet  (seit
15.  März  1909  W  66,  Leipzigerstraße  123  a)  im  Anschluß  an  das  Berliner
Schriftleitungsbüro.
Die  Entwicklung  des  Handelsteils  der  KV  wurde  weiter  gefördert
durch  den  am  16.  Februar  1890  erfolgten  Ankauf  des  in  Köln  erscheinenden
„Allgemeinen  Anzeigers  für  Rheinland-Westfalen  (Kölnische ­
  H  a  n  d  e  1  s  z  e  i  t  u  n  g)“.  Der  Name  wird  heute  noch  im  Titelkopf
der  Zeitung  weitergeführt.
Der  Kaufmannswelt  diente  die  KV  zu  Ende  der  1880er  Jahre  auch
noch  durch  die  Aufdeckung  eines  verbreiteten  Londoner  Schwindels.  In
der  Morgenausgabe  vom  30.  September  1887  erschien  zuerst  ein  Artikel
„Deutsche  Schlittenfahrer  in  London“,  mit  welchem  eine
lange  Reihe  ähnlicher  Arbeiten  eingeleitet  wurde.  Der  Ausdruck  Schlittenfahrer
  bezeichnete  in  der  Londoner  Kaufmannswelt  die  unreellen  Geschäftstreibenden, ­
  die  sieh  von  Deutschland  mit  Hilfe  schön  bedruckter
Briefbogen  und  selbstbesorgter  „Auskünfte“  Waren  kommen  ließen,  die  sie  zu
bezahlen  dann  vergaßen.  Verfasser  dieser  gut  geschriebenen  in  Deutschland
großes  Aufsehen  hervorrufenden  Enthüllungen  war  der  aus  Westpreußen
stammende,  in  London  lebende  Kaufmann  Stephan  Reuschel,  der  sich
des  Decknamens  „Rollo“  bediente.  Als  er  auch  einen  gewissen  Opitz
100  Jahre  J.  P.  Bachem.  ^
            
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