Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

S. J. steuerte religiös-wissenschaftliche Vorträge bei unter dem 
Titel „Idole des 20. Jahrhunderts“ und „Das moderne 
Denken“. Prof. Dr. M. Grabmann legte die Grundgedanken des 
h. Augustinus über Seele und Gott dar. 
Ein weiteres Unternehmen geschichtlicher Art erscheint seit 
1912 unter dem Titel „Zeit- und Streitfragen der Gegen 
wart“, das Beiträge zur politischen und kulturellen Tagesge 
schichte der Gegenwart bringt. Mit der Frage des Zentrums 
charakters, die damals zur erregten Erörterung stand (vgl. 
Seite 103), befaßten sich Dr. Julius Bachem und Dr. Karl Hoeber,, 
der auch dieBömischeFrage und Englands Kriegs- und 
Blutschuld behandelte. Dr.Hans Rost erörterte die Paritäts 
frage, Prof. Dr. G. J. Ebers das italienische Garantiegesetz, 
Dr. J. Löhr gab unter dem Titel Der Krieg und das Schicksal 
der Kirchen Frankreichs eine deutsche Antwort auf fran 
zösische Anklagen, Dr. H. Brauweiler untersuchte den Einfluß 
der Freimaurer im Weltkrieg und 0. Kley die zukünftige 
deutsche Schulreform. 
Die Sonderfrage, die Dr. Rost in seiner Paritätsbroschüre 
erörterte, war schon vorher mehrfach von katholischer Seite 
behandelt worden. Sind doch die Beschwerden über mangelnde 
Gleichberechtigung des katholischen Volksteils in Preußen, be 
sonders bei Besetzung von Staatsämtern, so alt wie der preu 
ßische Staat selbst. Sogar in Städten mit erdrückenden katho 
lischen Mehrheiten wurden früher die Bürgermeister- und Richter 
stellen fast ausschließlich mit Protestanten besetzt. Schon 1898 
hotten Hauptredakteur W. Hankamer und Jul. Bachem in einer 
auf zuverlässigem Material beruhenden, namenlos erschienenen 
Denkschrift: „Die Parität in Preußen“ den Beweis für die Tat 
sache einer planmäßigen Zurücksetzung der Katholiken bei der 
Vergebung der öffentlichen Stellen erbracht, und seitdem hat die 
Zentrumspresse nicht aufgehört, für eine Aenderung dieser Ver 
hältnisse einzutreten, ln der letzterwähnten Veröffentlichung 
Rosts aus 1914 wird gezeigt, wie wenig im Grunde seit Erhebung 
der Forderung nach größerer Gerechtigkeit in dieser Frage bis 
zur Zeit unmittelbar vor dem Kriege sich gebessert hatte. 
Eng verknüpft mit diesen Beschwerden ist naturgemäß die 
Erörterung der wirtschaftlichen Lage der Katholiken. Derselbe 
Verfasser hatte (Köln, 1908) ein mit vielem statistischen Ma 
terial ausgestattetes Buch „Die Katholiken im Kultur- und
	        
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