Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

volkstümlich-wissenschaftlich. Im Provinzial-Landtag und bei den Kreis 
tagen seit 1857 vertrat er die Stadt, wo er am 13. September 1877 starb. 
(S. 23) Mathias Josef Innoc. d e N o e 1 war der Sohn eines Warenmaklers, auf 
dessen Wunsch er seinen Drang nach künstlerischer Ausbildung unter 
drückte, um 1812 das väterliche Geschäft zu übernehmen. Seine ganze 
freie Zeit aber hatte der junge Kunstjüngerj mit Hilfe seiner Lehrer 
Mengelberg, Grein und Beckenkamp auf die Entfaltung seines Zeichen- und 
Malertalentes verwandt, mit dem er mehr als Laienhaftes leistete. Außer 
vielen kunstgeschichtlichen Abhandlungen verfaßte er die Kataloge der 
Kunstsammlung Tosetti, J. Lyversberg und Hirn (Glasmalereien). Den 
letztem Katalog pries Goethe als ein Muster solcher Arbeiten. Auch als 
Dichter betätigte er sich mit Glück, und seine Karnevalspossen und köl 
nischen Lustspiele fanden vielen Beifall. Er war eine reiche Künstler 
natur und der erste Bewahrer der nachgelassenen Wallrafschen Samm 
lung, die er in den ehemaligen, auf dem heutigen Wallrafplatze stehenden, 
kurkölnischen Hof überführte. Dem Museum kamen auch auf letztwillige 
Anordnung seine reichen Sammlungen zu gute. Sein Nachfolger als 
Museumsvorsteher wurde Ramboux aus Trier. (1790 — 20. November 1866.) 
(S.24) Die Forderung der freien Rheinschiffahrt hatten schon 
die Friedensschlüsse von 1648 zu Münster und 1697 zu Ryswyk auf 
gestellt; aber erst die Besitzergreifung des linken Rheinufers durch 
Frankreich brachte die Frage ihrer Lösung näher. Im Reichsdeputations 
hauptschluß von 1803 wurden alle Rheinzölle aufgehoben und durch ein 
»Octroi“ an 12 Hebestellen ersetzt, dessen Einnahmen zur Hälfte auf die 
Instandhaltung des Flußbettes verwendet werden mußten. Obwohl diese 
Uebereinkunft vom Jahre 1804 Stapel- und Umschlagsrecht abgeschafft 
hatte, behielten Köln und Mainz den Stapel noch bei. Gleichzeitig wurde 
in dem Generaldirektor der Rheinschiffahrt eine Art zwischenstaatlicher 
Aufsichtsbehörde mit dem Sitz in Mainz (geschaffen, die aber mit dem 
Sturz Napoleons 1813 ihr Ende erreichte.) Als Frucht der Beratungen der 
Kommission für die Ordnung der Rheinangelegenheiten auf dem Wiener 
Kongreß ging die aus Vertretern der sieben Uferstaaten bestehende 
Zentralkommission für die Rheinschiffahrt mit dem Sitz in Mainz hervor. 
Am nachhaltigsten sträubte sich gegen eine Herabsetzung der Zölle 
Holland, das allerdings die schwierigste und kostspieligste Unterhaltung 
der Rheinstrecke hatte. Nach dem Abgang Napoleons hatten die Nieder 
lande das französische Dekret vom 20. Oktober 1811, das die freie Fahrt auf 
dem Rhein bis zur See bewilligte, 1813 sofort aufgehoben und die alten 
Wasserzölle wieder eingeführt, die französischen Zollgesetze aber durch 
die alten „Convoyen“ und „Lizenten“ ersetzt, wie sie im wesentlichen 
nach dem Plakaat von 1725 bestanden hatten. Und nun beginnt der jahr 
zehntelange Streit über die Freiheit der Schiffahrt „jusqu’ä la mer“, 
Worte, die sowohl in dem Pariser Friedensvertrage von 1814 wie in 
100 Jahre J. P. Bachem. I 1 !
	        
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