Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

der  Wiener  Kongreßakte  von  1815  gebraucht  werden  und  die  Holland
„bis  zum  Meer“  und  Deutschland  „bis  in’s  Meer“  übersetzte.  In  den
preußischen  Handelskreisen  machte  sich  nun  das  Bestreben  geltend,
Holland  zur  Abschaffung  der  Zölle  zu  veranlassen;  dieses  verlangte  aber
dafür  die  wirkliche  Auflassung  der  Mainzer  und  Kölner  Stapelrechte.
Davon  wollte  man  aber  in  diesen  Städten  nicht  lassen,  und  so  wogte
der  Kampf  lange  Zeit  hin  und  her.  Der  Kölner  Großkaufmann  Heinr.
Merkens  hatte  wohl  1829  von  einer  Reise  nach  Berlin  das  königliche
Versprechen  einer  Entschädigung  für  die  Auflassung  des  Stapels  mitgebracht, ­
  aber  es  war  nichts  Festes  abgemacht,  und  nun  wandte  sich  die
Handelskammer  mit  einer  maßlosen  Bittschrift  an  den  König,  in  der  sie
ausführte,  in  Köln  sei  die  allgemeine  Volksansicht,  man  wolle  Köln
absichtlich  ruinieren,  und  noch  schlimmere  Gerüchte  gingen  um,  die  man
nicht  wiederholen  wolle.  Wo  es  sich  um  Aufhebung  eines  Vorrechtes
handle,  könne  man  völlige  Entschädigung  verlangen.  Durch  sein  Versprechen ­
  hielt  sich  der  König  gebunden  und  der  Stadt  wurden  im  Gegensatz ­
  zu  Mainz,  das  als  braves  Kind  nicht  schrie  und  leer  ausging,  durch
Kab.-Order  vom  19.  Juli  1831  für  zwei  Jahre  je  50000  Taler  bewilligt;
fernere  Gewährungen  ließen  die  Gesamtentschädigung  auf  232000  Taler
anwachsen.
is  (S.  29)  P  i  e  r  r  e  M  a  r  t  e  au  kommt  als  Drucker  auf  Büchern  seit  dem  Jahre
1660  vor.  Gleichwohl  hat  es  niemals  in  Köln  einen  Drucker  dieses  Namens
gegeben  !  Es  handelt  sich  dabei  meist  um  Werke  in  französischer  Sprache
—  auf  deutschen  Büchern  erscheint  die  Firma  auch  als  Peter  Hammer  in  Cölln
—  und  zwar  um  solche,  die  ihres  Inhaltes  wegen  Veranlassung  hatten,
ihre  Herkunft  zu  verbergen.  Verleger  in  Amsterdam,  dem  Haag,  Leyden,
Paris,  Rotterdam,  London,  Petersburg  brauchten  so  häufig  die  Firma
Marteau,  daß  ein  französischer  Forscher  Leonce  Janmart  de  Brouillant
im  Jahre  1888  ein  dickes  Buch  „Histoire  de  Pierre  du  Marteau,  imprimeur
ä  Cologne“  herausgegeben  hat  (Paris,  Maison  Quantin  329  S.).  Nachdem
Herr  Pierre  Marteau  den  Druckern  über  ein  halbes  Jahrhundert  seine
Hilfe  geliehen  hatte,  fanden  einige  von  ihnen,  daß  er  nun  mit  dem  Tode
abgehen  müsse  und  sie  erfanden  nun  seine  „Erben“  oder  seine  „Witwe“.
Während  er  aber  solchermaßen  schon  1729  Todes  verblichen  war,  lebte
er  in  anderen,  acht  Jahre  später  erschienenen  Werken  wieder  auf  und
trat  mit  seiner  Witwe  und  seinen  Erben  in  Wettbewerb.  Die  damalige
Bedrückung  der  Buchdruckereien  unter  den  französischen  Königen
seit  Franz  1.,  der  in  einem  Dekret  vom  13.  Januar  1539  alle  Druckereien
zu  schließen  drohte,  war  die  Veranlassung  zum  Aufkommen  solcher
Drucker-Decknamen  bei  Werken,  die  aus  irgend  einem  Grunde  nicht
unbedenklich  waren.  Außer  Pierre  Marteau,  dem  am  häufigsten  vorkommenden ­
  und  zuerst  1660  von  der  Presse  des  Jean  Elzevier  in  Leyden
gebrauchten  Decknamen,  gibt  es  noch  eine  lange  Liste  von  Kölner  Drucker-Decknamen.

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.