Full text: Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

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„Gott hatte ihm Anlagen des Geistes und Herzens verliehen, die zu den 
erfreulichsten Hoffnungen berechtigten; allein eine organische Krankheit, 
die den kaum achtjährigen Knaben befiel und aller Heilkunst Trotz bot, 
zerknickte das junge Leben, bevor es sich zur Blüte und Frucht entfalten 
konnte.“ 
26 (S. 40). Der Koadjutor Johannes von Geissei war am 4. März 1842 als 
„Engel des Friedens“ nach Köln gekommen, von Klerus und Volk als 
„Regierungsbischof“ zunächst mit einigem Mißtrauen empfangen. Dank 
seiner hervorragenden Begabung war der 1796 geborene Winzersohn aus 
Gimmeldingen schon 1822 Domkapitular, 1836 Bischof von Speyer geworden. 
Noch im ersten Jahre seiner Kölner Wirksamkeit, am 4. September 1842, 
fand die großartige Feier der Grundsteinlegung zum Weiterbau des Domes 
statt, eine Art Versöhnungsfest nach Beilegung des Kirchenstreites. Seit 
dem betrachtete Geissei den Ausbau des Domes als eine seiner Lebens 
aufgaben. — Viele Schwierigkeiten hatte Geissei mit dem, um die katho 
lische Sache hochverdienten, aber im Alter verbitterten Pfarrer Dr. 
Binterim in Bilk bei Düsseldorf. 1797 als Sohn schlichter Eltern in 
Düsseldorf geboren, war Binterim 1802 Franziskaner geworden, hatte drei 
Jahre später (nachdem 1803 die Klöster aufgehoben worden waren) die 
Pfarre Bilk übernommen und durch seine gegenrationalistischen Schriften 
Aufsehen erregt. Seine siebenbändige Pragmatische Geschichte der 
deutschen Konzilien (Mainz 1835—49) ist die erste Geschichte der National-, 
Provinzial- und vorzüglichsten Diözesankonzilien vom 4. Jahrhundert bis 
zum Konzil von Trient. Einen wertvollen Beitrag zur Geographie, Statistik 
und Geschichte des Erzbistums Köln lieferte sein vierteiliges W erk„Die alte und 
neue Erzdiözese Köln“ (Mainz 1828—30). Seine 52 kleineren theologischen und 
geschichtlichen Schriften sind mit ihrer Fülle geschichtlich-archäologischen 
Materials für die Zeitgeschichte wertvoll. Als er 1838 die scharfe Schrift; 
»Ein katholischer Brüder- und Schwesternbund zu einer rein katholischen 
Ehe“, bei Alberts in Sittard gedruckt, ohne Verfassernamen herausgab, 
worin er die Pfarrer veranlassen wollte, einen solchen Bund in ihren 
Pfarreien zu stiften, um gemischte Eheschließungen zu vermeiden, wurde 
dieses Tun als ein gegen die Landesgesetze gerichtetes Komplott betrachtet 
und der durch einen Sittarder Druckereiarbeiter ermittelte Verfasser 
sechs Monate auf die Zitadelle zu Wesel geschickt. Bei Gelegenheit seines 
50jährigen Priesterjubiläums gab Pfarrer Josef Hubert Mooren in Wachten- 
donck den ersten Anstoß zur Gründung des Historischen Vereins 
für denNiederrhein. — Als Kard. v. Geissei, durch das dem Minister 
Eichhorn gegebene Versprechen gebunden, keinen derjenigen an eine 
einflußreichere Stelle zu befördern, die sich im Kampfe gegen die Regierung 
hervorgetan hatten, Binterim nicht in die gewünschte Stellung berufen 
konnte, ergaben sich jahrelange Reibungen, bei denen der Erzbischof große 
Zurückhaltung bewies. Binterim hatte am 27. April 1848 im Verein mit 
30 Geistlichen der Bürgermeisterei Düsseldorf in einer Adresse die Errichtung
	        
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