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geschürt wurde. Das Parlament schuf im Februar 1851 die „Titelbill“,
wonach sich niemand Erzbischof, Bischof usw. einer Stadt oder eines
Distriktes nennen durfte und alle unter solchen Titeln ausgefertigten
Urkunden ungültig sein sollten. Die Titelbill ist aber niemals angewendet
worden. — Die Fabiola begann Wiseman in Rom, wohin ihn kirchliche
Angelegenheiten geführt hatten, im Herbst 1853. Das Werk entstand in
neun Monaten, während der Verfasser mit anderweitigen Arbeiten über
laden und dazu noch in einen Prozeß verwickelt war. In dem kleinen
Filey an der Ostküste Englands vollendete er das Werk nach dem ersten
Teile des Prozesses in wenigen Wochen, so daß er am 18. September 1854
seinem Freunde Henry Doyle die Fertigstellung melden konnte. In der
katholischen Welt erlebte das Buch einen wahren Triumph, die stereo
typierte erste Auflage von 4000 Exemplaren war rasch vergriffen. In
einem Brief Bachems an den Kardinal bei Gelegenheit der vierten Auflage
im August 1856 (5000 Exemplare) heißt es, Fabiola werde auch in Zukunft
noch lange das Lieblingsbuch eifriger Katholiken sein; „sogar Protestanten
erkennen seine Verdienste an“. In alle Kultursprachen wurde das Werk
übersetzt, es hat sich einen Platz in der Weltliteratur errungen.
(S. 57) Adolf E b e 1 i n g war der Sohn eines protestantischen Hamburger
Arztes und einer aus Brasilien stammenden katholischen Mutter. Am
24. Oktober 1827 geboren, wurde er nach dem Tode seines Vaters (1833)
seinem Oheim, einem dänischen Propst, zur Erziehung übergeben. Später
besuchte er das Johanneum in Hamburg, wo er bei dem großen Brande
im Mai 1842 sein Vermögen einbüßte. Er studierte in Heidelberg Philosophie
und erlangte dort 1845 summa cum laude die Doktorwürde. Dann ging
er nach Bahia zu Verwandten seiner Mutter, kehrte als Lehrer nach
Schonberg in Mecklenburg zurück und verzog 1851 nach Paris, wo er
die Bekanntschaft vieler hervorragender Männer, des Grafen Montalembert,
Louis Veuillot, des Bischofs Dupanloup, Pater Lacordaire, Vicomte de
blelun usw. machte und zur katholischen Religion übertrat. Im Jahre 1862
wurde er Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Pariser
kaiserlichen Handelsakademie. Die Frucht seines Aufenthaltes in der
Bretagne war das Werk „Thurine, eine bretonische Dorfgeschichte“
(Berlin 1872). Bei Beginn des Deutsch-Französischen Krieges wurde er aus
Poris ausgewiesen; er ging nach Düsseldorf und von dort nach Köln.
Bein „Kaleidoskop aus den Kriegsjahren 1870/71“ erschien 1871 in Köln.
Nach dem Frieden erhielt er einen Vertrauensposten bei dem damaligen
Präfekten v. Könnertz in Metz, kam nach Köln zurück und leitete hier
d as in Düsseldorf erscheinende „Deutsche Künstleralbum“ (Jahrgang 5—7).
1874—78 nahm er eine Stelle an der vizeköniglichen Kriegsschule in Kairo
an (die aber nichts weiter als eine Kaserne mit farbigen Analphabeten
war) und legte seine dortigen Erlebnisse in den „Bildern aus Kairo“
(2 Bände, Stuttgart 1878) und in seinem „Aegyptischen Tagebuch“ (1880—85)
nieder. In den Gründerjahren verlor er seine ganzen Ersparnisse in dem