Full text: Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

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So lag die Sache vor dem Kriege. Seitdem hat die Réglé- 
rung, wie wir gesehen haben, sich an der Gründung des „Lloyd 
Royal Belge" beteiligt, Diese Intervention, umfangreicher als 
je, wie wir oben erwâhnten, hat einen lebhaften Widerstand 
hervorgerufen. 
Der Herr Charles Le Jeune, dessen erleuchtete und un- 
eigennützige Vaterlandsliebe wohl niemand in Zweifel ziehen 
dürfte, hat Nachdruck auf diesen Widerstand gelegt in einem 
Interview, das er dem Direktor der ,,Indépendance Belge" 
zugestand, Wir geben die weisen Mahnungen und die Kritik 
unseres verehrlichen Mitbürgers zur Erwâgung wieder; 
— Wurclen Sie nicht, fragte der Schriftleiter der ..Indépendance 
Belge" Herrn Le Jeune, von Seiten des Schiffahrtsministeriums ersucht, 
ein Konsortium zur Gründung einer belgischen Kauffahrteiflotte zu bilden? 
— Ich bin nicht darum angesucht worden, ein Konsortium zu bilden, 
doch hat Herr Segers, Schiffahrtsminister, zu zwei verschiedenen Malen 
um meine Beteiligung an Schiffahrtsunternchmungen gefragt, die unter 
seiner Beschirmung in Bildung begriffen seien. Das erste Mal, gegen Mitte 
April d. J,, handelte es sich um den Ankauf einer Flotte für die Summe 
von 30 MOI, Fr, durch Vermittlung und unter finanzieller Mitwirkung der 
Commission for Relief, um die Bevorratung der in Belgien zurückgebliebenea 
Bevôlkerung sicher zu stellen, 
Ich stimmte seinen edelmütigen Absichten mit Warme zu und nahm 
den Vorsitz des Rates, der mir angeboten wurde, gerne an, Dieser Plan 
wurde aufgegeben, ,,ohne daB man mir die Gründe dafür auseinander- 
setzte." Kurz darauf, gegen Ende des Monats Mai, kam Herr Segers nach 
London und stellte mir vor, an der Gründung des ,,Lloyd Royal Belge" 
mitzuwirken; zu gleicher Zeit bot er mir den Direktorposten davon an, 
den ich ablehnte, „da meine Ansichtcn darüber ungünstig waren". 
— Darf man Sie fragen, ob Sie vor oder wahrend der Unterhand- 
lungen um Mitwirkung an oder Beschirmung der Gründung des „Lloyd 
Royal Belge" angegangen wurden? 
— Ich stand vor der vollzogenen Tatsache. Der Minister setzte mir 
seinen Plan auseinander, und „bereits am 26. Juni war die Gesellschaft 
mit unbegreiflicher Eile in De Panne ins Leben getreten". 
— Sind Sie nicht der Ansicht, daB die Reeder, und im allgemeinen 
aile diejenigen, die am Schiffahrtswesen interessiert sind, wie auch die 
Mitglieder der Handelskammer hatten zu Rate gezogen werden sollen? 
— Ja, bestimmt. Fine so gewichtige Sache erforderte eine gründ- 
liche Untersuchung, demi es handelte sich um nichts weniger aïs die 
Verpfândung des durch den Krieg bereits untergrabenen Kredits des 
Landes um die fabelhafte Summe von 100 Millioncn Franken zugunsten 
eines Geschâftes sehr fragwürdiger Art, das Privatinteressen dient. 
„Nichts zwang die Regierung, sich in dieses Abenteuer zu stürzen, und der 
Kriegszustand, auf den man sich beruft, rechtfertigt es nicht." Neben der 
Operation selbst stehen Prinzipien, die sie einführt. Es wird eine Art 
Monopol geschaffen, dem sich der Staat unter Bedingungen anschlieBt, die 
ohne Prâzedenzfall dastehen, und die Regierung nimmt ein Unternehme»
	        
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