Full text : Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

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Es  ware  von  Interesse  gewesen  festzustellen,  ob  dieser
Rückgang  eine  zufâllige  Erscheinung  war,  oder  ob  er  lestes
Geprâge  anzunehmen  im  Begriffe  stand,  Bereits  im  April
1910  konnten  wir  in  ,,La  Neptune"  von  Antwerpen  diesbezüglich
  lesen:
,,îch  stelle  als  Grundsatz  auf,  dafi  die  deutschen  Reedereien,  die  mit
jedem  Tage  an  Macht  gewinnen,  die  Englânder  liber  kurz  oder  lang  veranlassen
  werden,  sich  von  gewissen  Verkehrsunternehmungen  ab  Antwerpen ­
  zuriickzuziehen.
Die  Deutschen,  die  im  Stillen  arbeiten  und  sich  auf  aufierst  krâftige
Organismen  stützen,  haben  diese  letzten  Jahre  einen  Weg  zurückgelegt,
der  mich  zu  der  Prophezeiung  berechtigt,  daS  die  englischen  Reeder  an
dem  Tage,  wo  die  Deutschen  den  Augenblick  für  einen  Kampf  auîs
âufierste  als  günstig  erachten,  ihnen  zunâchst  für  eine  bestimmte  und
dann  für  andere  Verkehrsunternehmungen  die  Stirn  nicht  bieten  kônnen,
sondern  das  Feld  râumen  werden.
Die  Deutschen  haben  ihre  Meisterschaft  in  betreff  wirtschaftlicher
Kâmpfe  bewiesen.
Zur  finanziellen  Kraft,  die  sie  aus  den  gewaltigen  Kapitalien  ihrer
Aktiengesellschaften  schôpfen,  gesellt  sich  bei  ihnen  ein  Sinn  für  Méthode
und  eine  Ausdauer,  woran  sich  jeder  Widerstand  bricht.
Am  heutigen  Tage  bereits  wissen  aile  Fachleute  in  Antwerpen  eine
ganze  Anzahl  englischcr  Reeder  aufzuzâhlen,  die  seit  langem  auf  Antwerpen ­
  fahren,  doch  die  gestehen,  daC  sie  unseres  Hafens  überdrüssig  sind
auf  Grund  des  anhaltenden  endlosen  Wettbewerbs,  dem  sie  ausgesetzt  sind.
In  allen  Schiffahrtssyndikaten,  die  zu  Antwerpen  in  Beziehung  stehen,
geben  die  Deutschen  den  Ton  an.  Die  Englânder  kommen  hintennach;  sie
verlieren  an  Boden,  und  es  sind  die  Deutschen,  die  ihnen  diesen  abnehmen.
Im  allgemeinen  überlassen  die  groCen  englischen  Reedereien  die
deutschen  Hafen  den  Deutschen,  wogegen  diese  ihrerseits  mit  den  Englândern
  in  deren  eigenem  Lande  nicht  in  Wettbewerb  treten,
Wenn  wir  gelten  lassen,  daB  die  Deutschen  in  der  regelmâlligen
Schiffahrt  ab  Antwerpen  die  stârkeren  sind,  und  zwar  aus  mancherlei
Gründen;  wenn  wir  weiterhin  anerkennen,  daB  die  Englânder  Antwerpen
mehr  und  mehr  den  Rücken  kehren,  ist  die  Ansicht  nicht  mehr  als  eine
kühne  zu  betrachten,  dafi  die  Deutschen  eines  Tages  (vielleicht  in  nâchster
Zukunît)  von  den  Englândern  einen  vollstândigen  Rückzug  hinsîchtlich
gewisser  Verkehrsunternehmungen  ab  Antwerpen  erlangen  werden,
So  wie  die  Sache  heutzutage  steht,  wâren  nicht  viele  gegenseitige
Zugestândnisse  nôtig,  um  dahin  zu  geraten,  denn  der  Englânder  würde  viel
lieber  vom  Antwerpener  Hafen,  wo  er  seit  einigen  Jahren  mehr  Verluste
aïs  Gewinne  zu  buchen  hat,  absehen,  als  sich  einem  Kampfe  mit  dem
Deutschen  bloCstellen,  der  gegebenen  Falles  imstande  ist,  dem  Englânder
gewisse  Geschâfte,  selbst  im  Ausgang  von  englischen  Hâfen,  zu  verderben,"
Es  sei  auch  auf  die  Tatsache  hingewiesen,  daB  Deutschland
  uns  in  stetig  wachsendem  MaBe  die  Bunkerkohle  liefert,
für  die  wir  aufs  Ausland  angewiesen  sind.  Das  erklârt  die
Abnahme  der  englischen  Tonnenzahl  einigermaBen,  Doch
bleibt  die  Tatsache  des  Rückganges  nichtsdestoweniger  be-
            
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