92 Fünftes Kapitel. Zur Systematisierung der Lehren vom Papiergelde.
der verstandesmäßig nicht analysiert werden kann. Wie
weit dieser Rest für die Wissenschaft relevant ist, das wird
für den einzelnen Fall noch schwerer zu entscheiden sein,
als im prinzipiellen Methodenstreite. Hier aber muß von
jenem Rest möglichst abstrahiert werden.
Verschieden ist das Urteil beider Auffassungen über die
Rollen des Metallgeldes und des Papiergeldes in der Zu
kunft ; aber gerade dieses Urteil bedeutet für uns eigentlich
wenig, denn Prophezeiungen gehören nicht in die Wissen
schaft. Die Vergangenheit dagegen wird im wesentlichen
von den Anhängern beider Richtungen gleichartig beurteilt.
Wir haben zu zeigen versucht, daß zum Beispiel die be
rühmte französische Assignatenwirtschaft eine grundver
schiedene Beurteilung nicht zulasse, sondern daß sich bei ein
gehenderer Kritik die von der herrschenden Auffassung sich
wesentlich unterscheidende Deutung als unhaltbar erweise U
Über die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit, zum
Beispiel über die Festigkeit der österreichischen Valuta,,
mag das Urteil ein wenig schwanken, zumal ein absolut
sicherer Maßstab für die Wertbeständigkeit einer Valuta
überhaupt nicht existiert. In Summa: Das Urteil über die
konkreten geschichtlichen Phänomene differiert nicht er
heblich.
Dies ist die historische Seite; nun die_ logische. Da
zeigen nun Schriftsteller aus den verschiedensten Lagern
in dem, was sie über die allgemeine, rein logische Möglich
keit eines stoffwertlosen Geldes sagen, eine geradezu er
staunliche Übereinstimmung. Es sei hier auf eine kleine
Zusammenstellung aus einer früheren Publikation ver
wiesen 1 2 .
1 Moll, Zeitschrift für Sozialwissenschaft 1914. S. 757.
2 Moll, a. a. O. S. 763.