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Was die Hôhe des Anlagekapitals auf 1 km Betriebslânge
anlangt, so stent Belgien 1911 mit 613 000 Fr. an zweitef Stelle,
übertroffen nur von GroBbritannien und Irland, wo diese Ziffer
877 000 Fr. erreicht; Frankreich lâBt es mit 473 000 Fr, und
Deutschland mit ungefâhr 390 000 Fr, hinter sich zurück, 9 )
Die Finanzpolitik, durch weîche sich der Staat für den
Betrieb seiner Eisenbalmen leiten lieB, wurde von Nothomb,
dem Minister der ôffentlichen Arbeiten, in seinem Bericht an
die Kammer vom 26. November 1838 in îolgenden Worten
klar dargelegt: „Die Staatsbahnen sind als eine Einrichtung zu
betrachten, die weder eine Bürde noch eine Einnahmequelle
des Fiskus sein darf, und es ist von ihr nur zu fordern, daB sie
ihre Ausgaben deckt." 1906 bestatigte der Minister Hubert
als Berichterstatter des Eisenbahnetats diese Anschauungs-
weise: „Wenn sie [die Eisenbahnen] ihre Unkosten, die Ver-
zinsung und Schuldentilgung des angeîegten Kapitals gedeckt
haben, muB der ÜberschuB zum Zwecke der Betriebsverbesse-
rung, der Erniedrigung von Tarif en und der Erhôhung von
Gehâltern und Lôhnen an sie zurückkehren.“
Und tatsâchlich hat sich vom Beginn bis auf unsere Tage
[1835—1912) nur ein Aktivsaldo von 27 Mill, Fr, ergeben:
200 Milî, an Überschüssen stehen 173 Mill, an Fehlbetrâgen
gegenüber, Das Anlagekapital hat, obwohl es sich in dem
Zeitraum verzehnfachte, einerseits nur eine bescheidene
Tilgung erfahren und andererseits sich mit einer geringfügigen
Verzinsung begnügt, wohingegen in Deutschland z. B, die Eisen
bahnen eine Einnahmequelle für den Staat bilden,
Der belgische Staat muB daher wohl der Ansicht gewesen
sein, daB der durch die Eisenbahnen ins Leben gerufene Ver-
kehr, woran die Durchfuhr einen überwiegenden Anteil nimmt,
für den Handel und die Industrie des Landes eine Gewinnquelle
bildet, die den Betrieb auf einer derartigen Grundlage recht-
fertigt. Andererseits ware ohne die Durchfuhr irgend eine
Tilgung und Verzinsung des Anlagekapitals, wie geringfügig
diese sich auch gegenwârtig stellt, nicht mehr moglich; eine
auch nur einigermaBen in Betracht kommende Erhôhung der
inlândischen Tarife würde tatsâchlich für eine groBe Anzahl
*) H, Schumacher, Antwerpen, S, 153 f.