Full text : Der Antwerpener Hafen und die Pariser Wirtschaftskonferenz

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nützung  der  unteren  Schelde  und  des  Kanals  von  Zuid-Beveland
  durch  hollândisches  Gebiet  fahren.
Ein  anderes  Projekt,  das  den  Weg  von  Antwerpen  zum
Rhein  um  50—60  km  kürzen  sollte,  labte  die  Durchbrechung
des  Dammes  von  Woensdrecht,  also  die  Wiedererôffnung  der
Schiffahrt  auf  der  Oosterschelde  ins  Auge,  Die  Unkosten
würden  sich  bei  weitem  nicht  so  hoch  stelien  als  die  für  einen
Kanalbau  und  die  Ergebnisse  sicher  sein.  Dies  Projekt  fand
krâftige  Unterstützung  von  seiten  der  Antwerpener  Haridelskammer;
  ihren  Auseinandersetzungen  darüber  vom  16.  Juli
1912  entnehmen  wir  folgende  Stelle;
,,Es  ist  bedauerlich,  daB  Belgien  die  Vollziehung  dieses  unglaublichen
Aktes  zugelassen  bat,  aber  es  wâre  noch  unverzeihlicher,  wenn  es  in
diesem  Augenblick,  da  Holland  um  neue  Zugestândaisse  15 )  bei  uns  ansucht,
nicht  die  Wiederherstellung  des  alten  Durchgangs  zum  Norden  vermitteist
der  Oosterschelde  zu  bekommen  suchte.
Selbstverstândlich  konnen  wir  nicht  daran  denken,  einen  Antrag  zu
stelien  auf  Fortschaffung  des  3600  m  langen  Sperrdamms  von  Woensdrecht,
über  den  die  Züge  von  Vlissingen  nach  Deutschland  laufen,  Doch  ist  uns
bekannt,  daB  belgische  Ingenieure  sich  mit  dem  Plan  befassen,  einen  Teil
dieser  Sperre  durch  eine  Brücke  zu  ersetzen,  unter  welcher  die  Schiffe
leicht  durchfahren  kônnten,  Belgien  nâhme  die  Ausführung  des  Werljes
auf  sich  und  zugleich  die  Unkosten  für  die  Baggerarbeiten,  die  sich  als
nôtig  erweisen  würden,  um  die  seit  ihrer  Abdammung  natürlicherweise
stark  vernachlâssigte  Oosterschelde  wieder  schiffbar  zu  machen.
Ganz  entschieden  muB  etwas  nach  dieser  Richtung  hin  getan  werden;
es  fahren  bereits  sehr  groBe  Rheinkâhne,  die  zu  lang  sind  für  die  gegenwârtigen
  Schleusen  des  Kanals  von  Hausweert,  Wohl  lâBt  der  niederîandische
  Waterstaat  Schleusen  von  140  m  Lange  bauen,  doch  das  erlaubt
keineswegs  die  Durchschleusung  von  zwei  oder  mehr  groBen  Kâhnen  zu
gleicher  Zeit,  noch  nimmt  es  die  Nachteile  einer  halb-maritimen  Schiffahrt
hinweg  oder  die  Verzôgerungen  der  Fahrt  durch  einen  Kanal,  der  durch
eine  Eisenbahnbrücke  versperrt  ist.  Die  Hollânder  müsscn  uns  einen
kürzeren  und  vollstândig  freien  Weg  zurückgeben,  der  uns  nicht  zwingt,
diese  Hindernisse  zu  überwinden  und  uns  nicht  zu  ihren  Gunsten  der
natürlichen  Vorteile  internationaler  Flüsse  beraubt,  die  so  gut  zu  unseren
Hâfen  führen  als  zu  den  ihrigen.
Wenn  dieser  Weg  wiederhergestellt  ist,  wird  der  Abstand  zwischen
Antwerpen  und  dort,  wo  die  Rheinarme  sich  in  ihre  Seemündungen  ergieBen,
  betrâchtlich  verkürzt  und  die  Gefahren  der  halb-maritimen  Schifffahrt
  werden  ebenso  betrâchtlich  vermindert  sein.  Auch  dann  hâtten  wir
noch  einen  weiteren  Weg  zum  deutschen  Rhein  aïs  Rotterdam,  doch  wâre
der  vollstândig  freie  Weg  von  Antwerpen  nur  noch  70—80  km  langer  aïs
der  von  Rotterdam,  wâhrend  der  Unterschied  gegenwârtig  infolge  des
Umweges  über  Hausweert  130  km  betrâgt,  abgesehen  noch  von  den

10 )  Die  Kanalisierung  der  Maas,  welche  die  Hollânder  ausführen
mochten,  jedoch  nicht  ohne  Zustimmung  Belgiens  in  Angriff  nehmen  konnen.
            
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