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Tendenz zu haben! Ich möchte den Staatsanwalt —
ein Schelling hat die Anklageakte gegen mich unter
zeichnet — fragen: Wo hat er das gelernt? Bei
seinem Vater— sicher nicht! Schelling, der Vater, gibt
als den Zweck der Philosophie keinen geringeren an als
den: die gesamte Zeit umzuformen.
Und sicher wird der Staatsanwalt auch wenig Glück
bei den andern Männern der Wissenschaft nüt dieser
seiner nagelneuen und merkwürdigen Entdeckung machen!
„Was wollen denn zuletzt" — sagt Fichte in seinen
Reden an die deutsche Nation — „alle unsre Bemühun
gen um die abgezogensten Wissenschaften? Lasset sein,
der nächste Zweck dieser Bemühungen sei der, die Wissen
schaft fortzupflanzen von Geschlecht zu Geschlecht und in
der Welt zu erhalten, warum sollen sie denn auch er
halten werden? Offenbar nur, um zu rechter Zeit
das allgemeine Leben und die ganze menschliche
Ordnung der Dinge zu gestalten. — Dies ist ihr
letzter Zweck; mittelbar dient sonach, sei eS auch erst in
einer späteren Zukunft, jede wissenschaftliche Bestrebung
dem Staate."
So weit Fichte!
Meine Herren Präsident und Räte! Es würde eine
Geringschätzung gegen Ihren eigenen erleuchteten Blick
in sich schließen, wenn ich diese staatsanwaltliche Ent
deckung, nicht praktische Tendenz zu haben, sei ein not
wendiges Requisit der Wissenschaft, auch nur eines ein
zigen weiteren Wortes der Widerlegung würdigen wollte.
Ich hatte in der Tat bei dieser Broschüre die ausneh
mend praktische Tendenz, meine Leser zum Verständnis
ihrer Zeit zu bringen und dadurch für immer bestimmend