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Freude war so glühend und zärtlich, daß sich meine Ver
mutungen in betreff der Art seiner Gefühle für mich
bestätigten. Aber gleichzeitig konnte ich mich nicht der
Überzeugung verschließen, daß selbst einfache Freund
schaft von einem Manne wie Lassalle zu einem so jungen
Mädchen, die, was den Altersunterschied anbelangt,
höchstens nur seine Schülerin sein konnte, schon über
und über genug wäre. Ich verscheuchte meinen Verdacht
und fuhr fort, ebenso einfach, herzlich und unbefangen
ihm gegenüber zu sein wie früher. Nachdem wir etwa
zwei Tage in Aachen geblieben waren, reisten wir nach
Dresden ab. Lassalle und die Gräfin fuhren mit uns
bis Köln, von wo aus wir verschiedene Wege einschlugen:
sie nach Berlin, wir nach Dresden. Unterwegs sprach
Lassalle viel, erzählte uns von seinen Triumphen in
Köln und Düsseldorf, beschrieb seine Verhaftungen und
mehrfachen Gefängnisstrafen; dann sprach er über das
Gericht, welches ihn zu richten hatte, und daß er dem
selben bewiesen habe, daß die vor ihm befindlichen
Richter nicht würdig seien, ihn zu richten; daß er von
den Geschworenen glänzend freigesprochen und von der
Menge mit Hurrarufen auf den Händen hinausgetragen
worden sei; er erzählte ferner, daß, als er nach der
Freisprechung auf dem Platze seinen alten Vater getroffen
habe, dieser schluchzend ihm in die Arme gefallen sei
mit dem Ausrufe: „Mein Kind, mein Kind!" Überhaupt
war Lassalle während der ganzen Reise besonders heiter
und gesprächig; er schien sich in einem aufgeregten Zustand
zu befinden, der aber bei der Ankunft in Köln gänzlich
verschwand. In Köln blieben wir zwei Tage und besahen
uns vieles. Unbeholfene deutsche Führer begleiteten