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zufrieden sei — er hatte keine Zeit, etwas darauf zu
erwidern, denn mein Vater trat herzu, und das Gespräch
wurde allgemein.
Lassalle war den ganzen Abend sehr aufgeregt. Ich
war damals noch so sehr Kind, daß ich die ganze Tiefe
seines Gefühls nicht zu würdigen vermochte, und mir
war es an diesem Abend, vor dem Teetische sitzend,
nur verdrießlich, daß alles so gekommen war. Biö dahin
war es mir in der Nähe dieses Mannes so wohl, ich konnte
seinen Verstand, seine Energie, sein Genie begreifen
und würdigen. Ich hielt mich bis zu dieser Zeit für seine
Schülerin, höchstens für seine junge Kameradin, und
das freute mich, ich fühlte mich in seiner Gegenwart
leicht, er schien mir wie verwandt. Und jetzt schien sich
plötzlich alles verändert zu haben. Er war mir wie
fremd geworden. Weshalb hatte er in mir das Weib
erkannt! Warum mußte er mich mit dieser alltäglichen,
gewöhnlichen Liebe lieben? Das war für niich zu be
engend, für ihn zu aufregend. Ich sah darin ein Ende
unserer Freundschaft. Ich konnte in mir die Erwiderung
auf seine Liebe nicht erwecken. Weshalb? Ich weiß
es selbst nicht. Ich verstand damals noch nicht und
lernte es erst viel spater fühlen, was Liebe sei, diese
alles in sich aufnehmende, alles unpassende, sich selbst
nährende Liebe, welche weder „weshalb" noch „warum"
fragt, das ganze Wesen des Menschen beherrscht und
den Gegenstand für uns so teuer, so unentbehrlich macht
wie die Luft, die wir atmen.
Ich wußte nicht, daß wir nur dann lieben, wenn wir
nicht mehr fragen können, wenn wir gezwungen sind, trotz
allem Wunsche „nein" zu sagen, „ja" sagen zu müssen.