Full text : Ferdinand Lassalle

153

Alles  dies  lernte  ich  erst  später  kennen  —  und  nicht
in  bezug  auf  Lassalle.
Wieder  erforderte  die  Krankheit  des  Vaters  eine  Trennung,
ehe  eine  Entscheidung  gefallen  war.  Da  holte  Lassalle  zu  einem
großen  Streich  aus.  In  einem  Brief  von  ungeheurem  Format
gab  er  Sonja  ein  erschreckendes  und  doch  verführendes  Bild  seines
Wesens.  Diese  Beichte,  im  Oktober  1860  niedergeschrieben,  ist
von  grandiosem  Schwünge.

Lassalles  Selbstporträt
Ach,  Sophie,  um  wie  viel  süßer  wäre  es,  zu  Ihnen
zu  sprechen!  Aber  unglücklicherweise  ist  es  leichter  für
mich,  Ihnen  zu  schreiben!  Sie  machten  selbst  den  Vorschlag, ­
  die  unö  beschäftigende  Frage  schriftlich  zu  verhandeln. ­
  Ich  dagegen  bestand  darauf,  sie  in  persönlicher
Unterredung  zu  beenden.  Ich  werde  also  zu  Ihnen
sprechen;  ich  schreibe  Ihnen  jedenfalls  das,  was  ich
Ihnen  gesagt  haben  würde.  Sie  dürfen  Ihre  Entscheidung ­
  nicht  in  einem  Moment  großmütigen  Eifers  fassen.
Sie  müssen  alles  reiflich  überlegen.
Erlauben  Sie  mir,  mit  der  Erklärung  dessen  zu  beginnen, ­
  was  Ihnen  während  unserer  Unterredung  in
Köln  an  mir  sonderbar  vorgekommen  sein  mag.  Sie
antworteten  mir,  daß  Sie  mich  vielleicht  lieben  würden!
Ich  bin,  wie  ich  Ihnen  bereits  sagte,  ein  im  höchsten
Grade  stolzer  Mensch;  ich  werde  nie  imstande  sein,
ein  Weib  im  Sturm  zu  nehmen,  ich  werde  sogar  nie
dazu  mitwirken,  ein  schwankendes  Gefühl,  welches  von
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.