Full text: Ferdinand Lassalle

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Alles dies lernte ich erst später kennen — und nicht 
in bezug auf Lassalle. 
Wieder erforderte die Krankheit des Vaters eine Trennung, 
ehe eine Entscheidung gefallen war. Da holte Lassalle zu einem 
großen Streich aus. In einem Brief von ungeheurem Format 
gab er Sonja ein erschreckendes und doch verführendes Bild seines 
Wesens. Diese Beichte, im Oktober 1860 niedergeschrieben, ist 
von grandiosem Schwünge. 
Lassalles Selbstporträt 
Ach, Sophie, um wie viel süßer wäre es, zu Ihnen 
zu sprechen! Aber unglücklicherweise ist es leichter für 
mich, Ihnen zu schreiben! Sie machten selbst den Vor 
schlag, die unö beschäftigende Frage schriftlich zu ver 
handeln. Ich dagegen bestand darauf, sie in persönlicher 
Unterredung zu beenden. Ich werde also zu Ihnen 
sprechen; ich schreibe Ihnen jedenfalls das, was ich 
Ihnen gesagt haben würde. Sie dürfen Ihre Entschei 
dung nicht in einem Moment großmütigen Eifers fassen. 
Sie müssen alles reiflich überlegen. 
Erlauben Sie mir, mit der Erklärung dessen zu be 
ginnen, was Ihnen während unserer Unterredung in 
Köln an mir sonderbar vorgekommen sein mag. Sie 
antworteten mir, daß Sie mich vielleicht lieben würden! 
Ich bin, wie ich Ihnen bereits sagte, ein im höchsten 
Grade stolzer Mensch; ich werde nie imstande sein, 
ein Weib im Sturm zu nehmen, ich werde sogar nie 
dazu mitwirken, ein schwankendes Gefühl, welches von
	        
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