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Existenz aufs Spiel zu setzen, um die meinige zu ver
schönern.
Selbst wenn das Pflichtgefühl in bezug auf Sie mich
nicht nötigen würde, so zu denken, die Vorsicht und der
Egoismus würden mich doch noch dazu zwingen, denn
wenn ich Sie je unglücklich sehen müßte, so würde ich
es selbst auch sein! Für mich selbst bin ich herzlos. Ich
habe weder Erbarmen noch Mitleid, noch sonst ein Ge
fühl für meine eigene Eristenz, die ich einem langen und
unaufhörlichen Kampfe gewidmet habe. Dies ist der
Grund, weshalb ich nie unglücklich sein kann, solange
ich allein bin! Für mich ist kein Unglück möglich.
Man mag den kahlen, einsamen Fels meines Lebens
zertrümmern, ich werde nichts fühlen, wie auch der Fels
nichts fühlt, wenn er zertrümmert wird.
Aber Sophie, wenn ich auch ein fühlloser Fels in
bezug auf mich selbst bin, so habe ich doch Gefühl. Ich
fühle für die und durch die, welche ich liebe. Das Un
glück derer, die ich liebe, macht mich um so unglücklicher,
trotz meiner Fühllosigkeit gegen mich selbst, weil ich nur
in denen, die ich liebe, mein ganzes Bedürfnis auf Glück,
auf Ruhe, auf zärtliche und angenehme Eindrücke
konzentriere. Und deshalb ist das Unglück derer,
die ich liebe, auch die einzige Pforte, durch welche Un
glück in mein eigenes Leben dringen kann. Und ich
will diese Pforte nicht diesem Feinde öffnen, der
schleichend, hinterlistig, gierig darauf ausgeht, mich zu
bekämpfen.
Wenn Sie mich also nicht mit dieser Liebesglut lieben,
die unwiderstehlich und voll, in sich selbst alle Garantien
des Glücks trägt, solange Sie mich besitzen — so werde