Full text: Ferdinand Lassalle

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Existenz aufs Spiel zu setzen, um die meinige zu ver 
schönern. 
Selbst wenn das Pflichtgefühl in bezug auf Sie mich 
nicht nötigen würde, so zu denken, die Vorsicht und der 
Egoismus würden mich doch noch dazu zwingen, denn 
wenn ich Sie je unglücklich sehen müßte, so würde ich 
es selbst auch sein! Für mich selbst bin ich herzlos. Ich 
habe weder Erbarmen noch Mitleid, noch sonst ein Ge 
fühl für meine eigene Eristenz, die ich einem langen und 
unaufhörlichen Kampfe gewidmet habe. Dies ist der 
Grund, weshalb ich nie unglücklich sein kann, solange 
ich allein bin! Für mich ist kein Unglück möglich. 
Man mag den kahlen, einsamen Fels meines Lebens 
zertrümmern, ich werde nichts fühlen, wie auch der Fels 
nichts fühlt, wenn er zertrümmert wird. 
Aber Sophie, wenn ich auch ein fühlloser Fels in 
bezug auf mich selbst bin, so habe ich doch Gefühl. Ich 
fühle für die und durch die, welche ich liebe. Das Un 
glück derer, die ich liebe, macht mich um so unglücklicher, 
trotz meiner Fühllosigkeit gegen mich selbst, weil ich nur 
in denen, die ich liebe, mein ganzes Bedürfnis auf Glück, 
auf Ruhe, auf zärtliche und angenehme Eindrücke 
konzentriere. Und deshalb ist das Unglück derer, 
die ich liebe, auch die einzige Pforte, durch welche Un 
glück in mein eigenes Leben dringen kann. Und ich 
will diese Pforte nicht diesem Feinde öffnen, der 
schleichend, hinterlistig, gierig darauf ausgeht, mich zu 
bekämpfen. 
Wenn Sie mich also nicht mit dieser Liebesglut lieben, 
die unwiderstehlich und voll, in sich selbst alle Garantien 
des Glücks trägt, solange Sie mich besitzen — so werde
	        
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