Full text: Ferdinand Lassalle

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Sie werden also Haß bei meinen Feinden und ge 
hässigen Neid bei vielen Frauen der andern Partei 
finden. 
4. In bezug auf die Frauen habe ich noch etwas weiteres 
hinzuzufügen. Die Aristokratie haßt nnch, wie ich Ihnen 
schon gesagt habe, fast ohne Ausnahme. In unserer Bour 
geoisie haben die Frauen überhaupt noch wenig An 
ziehendes und Angenehmes in ihrer Lebensweise. Die 
Männer in unserer Bourgeoisie besitzen die Macht der 
Bildung und des Geistes. Aber die Frauen haben von 
der Bildung noch nicht dies Aroma von Liebenswürdig 
keit, diese Signatur guter Manieren erhalten, welche 
für jede Frau, die in aristokratischen Kreisen gelebt hat, 
unentbehrlich sind. Es gibt allerdings Ausnahmen, aber 
sie sind sehr selten. Von diesen Ausnahmen abgesehen, 
werden unsere Frauen Ihnen durchaus nicht recht kon- 
venieren. 
Alles dies bringt mich auf den Gedanken, daß, im Falle 
unserer Verheiratung, ich meinen Bekanntenkreis be 
deutend einschränken werde. Dies macht für mich absolut 
nichts aus. Ich habe immer soviel als möglich eine weit 
läufige Bekanntschaft zu vermeiden gesucht; man mußte 
mich immer zu neuen Bekanntschaften nötigen. Obschon 
ich die Menschheit innig liebe, so liebe ich doch nicht die 
Individuen, welche heutzutage vorgeben, Menschen zu 
sein. Aber im Falle unserer Verbindung werde ich 
meinen Kreis noch bedeutend verkleinern. Wir werden 
nur mit einigen Freunden und Freundinnen verkehren. 
Wir werden gewiß dadurch nichts verlieren. Denn wenn 
Sie ganz Berlin nehmen, so werden Sie nur sehr wenige 
Häuser finden, in denen man sich ganz behaglich fühlt,
	        
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